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Impressionen aus Trumau: Wie wurde mir bewusst, dass die Theologie in Englisch heute unverzichtbar ist

St. Pölten/Trumau, 01.03.2017 (dsp) Ein Flüchtling aus Böheimkirchen fuhr regelmäßig mit mir mit dem Zug nach St. Pölten. Im Gespräch erfuhr er, dass ich Theologie studierte und so redeten wir jedes Mal über Gott und den christlichen Glauben in Österreich. Ich rang um manche englische Vokabel aus dem Glaubensbereich so sehr, dass es mir weh tat. Auch an meinem Praktikumsplatz wurde ich beim Erstgespräch mit dem Herrn Pfarrer gefragt, ob ich Englisch könne, denn ausländische Taufwerber sollen in Englisch Katechese-Unterricht erhalten.


Darum nahm ich dankbar die Gelegenheit wahr, am Schnuppertag des neuen Kooperationsprogrammes „Theology in English“ unserer Hochschule St. Pölten mit der Hochschule in Trumau teilzunehmen, das der an beiden Hochschulen lehrende Prof. Spindelböck trägt. Denn Englisch ist die Unterrichtssprache am Internationalen Theologischen Institut (ITI) - Hochschule für Katholische Theologie – so der offizielle vollständige Name.

Prof. Spindelböck wiederholte die Inhalte des Faches „General Ethics“ für die bevorstehende Prüfung. Immer wieder hörte ich das Wort „conscience“ und versuchte dieses in den Kontext einzuordnen. Die deutschen Unterlagen auf meinem Schoß halfen mir, dem Verlauf der Gespräche zu folgen. In der Mitte des Raumes waren die Tische zusammengestellt, rundherum saßen die Studenten, die aus allen Erdteilen zusammen kamen und Herr Professor Spindelböck. Allen gemeinsam war die englische Sprache und die Liebe zu Gott.

Ein junges Ehepaar, das gleich neben unserem Professor saß, war aus Russland geflüchtet, weil dort die Mission, in der sie gearbeitet hatten, nicht erlaubt ist. Neben mir saß ein polnischer Priester, der in Wien in einer Pfarre als Kaplan tätig ist. In der Pause gab es in der im Nebenzimmer liegenden Küche die Möglichkeit, Kaffee oder Tee zu kochen, wir standen beieinander und unterhielten uns. Eine Studentin zeigte mir während dieser „Break“ die wohlig warme Bibliothek. So gingen wir durch die Gänge des dicken, vierkantigen Schlosses Trumau, in dem das ITI untergebracht ist. In der „library“ angekommen faszinierten viele Blumen, PC´s und Studier-Ecken, gut sortierte, beschriftete Regale und der Ausblick in den Garten. Einige Studentinnen saßen versunken in ihre Bücher. „When it´s warmer you can learn outside“, flüsterte die Kollegin. Zurückgekehrt genossen wir weiter die Pause. Ringend nach englischen Vokabeln und der dazugehörigen Grammatik kamen wir ins Gespräch: „Some colleagues start with only one year experience in English, and they also complete their studies with good grades“, ermutigte mich eine Studentin. Dann weiter mit der Prüfungsvorbereitung. Professor Spindelböck stellte Fragen, die Studenten ergänzten einander mit den Antworten. So nahm die kleine Gruppe von 12-13 Personen den gesamten Stoff für die Prüfung durch. Langsam wurde mir das Englische geläufiger.

Mittagspause. Während einige Studenten bereits in die Schlosskapelle gingen, sah ich mir die neu eingerichtete byzantinische Kapelle an. Malereien und Ikonen sprachen von den Wänden und vom Altar. Sie ist sehr groß, hell und einladend.

Hl. Messe in der Kapelle gegenüber dem Empfangsbüro: In der letzten Reihe an der Mauer nahm ich Platz. Zwei Studenten setzten sich neben mich, die Kantorinnen, wie sich später herausstellte. Hinter mir lagen Bücher mit dem Ablauf der Hl. Messe: So griff ich während der Messe zurück, um mich darin orientieren, den Handlungen zu folgen und mitzubeten. Lesungen und Evangelium sowie die Predigt auf Englisch. Sehr kontemplativ, tief und authentisch nahm ich die Menschen und Atmosphäre wahr. Es erweckte die Sehnsucht, Gott näher zu sein, ihn mehr zu lieben. Nach der Hl. Messe – einige blieben sitzen, andere eilten zu einem weiteren Termin oder zum Mittagessen.

Das schöne Wetter ließ die im Hof stehende, prächtige Platane wie einen Riesen erscheinen. Der Besuch am ITI Trumau war zu Ende. Ich hatte eine ganz andere Art des Studierens kennen gelernt und werde in nächster Zukunft womöglich mein Studium an der PTH St. Pölten durch englischsprachige Vorlesungen am ITI in Trumau ergänzen können.

Erika Wech