Wappen der Hochschule
Plakatkampagne für die Hochschule
Kardinal Schönborn beim Hochschuljubiläum
 
 

„Unkraut“ vergeht nicht – die Congregatio Jesu: die „Jesuitinnen“ vom Lilienhof

Mary Ward

St. Pölten, 18.01.2015 (dsp) Auf der Reise durch die Klöster der Frauengemeinschaften besuchte die gemeinsame Gruppe der Hochschule und des Bildungswerkes die Englischen Fräulein vom Lilienhof, die der Öffentlichkeit unserer Diözese vor allem durch ihre Schulen in St. Pölten und Krems bekannt sind. Die Gründung ihrer Gemeinschaft geht auf die Engländerin Maria (Mary) Ward  (1585–1645) zurück, daher auch die alternative Bezeichnung Maria-Ward-Schwestern. Die Zeit ihres Ursprungs ist dramatisch, konfliktreich und spannend und ihre Gesichte ein Kampf um Anerkennung mit und in der Kirche fast vierhundert Jahre lang bis zur endgültigen päpstlichen Anerkennung als Congregatio Jesu – im Jahr 2004.

Als Tochter eines Landedelmannes wuchs Maria Ward im elisabethanischen England zur Zeit der Katholikenverfolgung auf. In ihrer Regierungszeit wurden zahlreiche katholische Priester hingerichtet und die Teilnahme an der Heiligen Messe unter Strafe gestellt. Viele englische Katholiken, darunter die Familie Ward, praktizierten ihren Glauben im Geheimen. 1606 trat Maria Ward in Flandern in das Kloster der Klarissen Saint-Omer ein. Obwohl sie als Chorfrau eintreten wollte, wurde sie als Laienschwester aufgenommen und zum Almosensammeln ausgesandt. Den harten Lebensbedingungen einer Laienschwester war sie auch körperlich nicht gewachsen und trat wieder aus. Von ihrem Vermögen stiftete sie in Flandern ein eigenes Kloster nur für Engländerinnen, in dem die Ordensregel der heiligen Klara in ganzer Strenge angewandt wurde. Nach einiger Zeit kam Maria Ward zu der Erkenntnis, dass dies nicht ihr Weg sei. Sie verließ das Kloster, ging nach England zurück und vermittelte unter Lebensgefahr illegale Kontakte zwischen gläubigen Katholiken und Priestern. Dafür wurde sie einmal zum Tode verurteilt, kam jedoch wieder frei.

Eine Gruppe von jungen Frauen schloss sich Maria Ward an. Gemeinsam gingen sie nach Flandern und nahmen katholische englische Mädchen als ihre Schülerinnen mit. Das Institutum Beatae Mariae Virginis, so der ursprüngliche Namen der Gemeinschaft, sollte einem jesuitisch geprägten Leben für Frauen entsprechen, daher übernahmen sie die Regel des heiligen Ignatius von Loyola. Mary Ward setzte sich für Bildung für Frauen ein und wollte für ihre Gemeinschaften weder ein kontemplatives  Leben noch eine Ordenstracht, sondern apostolischen Dienst und öffentliches Wirken. Diese Form des Ordenslebens – Frauen, die außerhalb der Klausur einem Apostolat nachgingen – erregte Ärgernis, da die Mitglieder der Gemeinschaft sich in ihrem Institut wie Nonnen verhielten, sich jedoch gleichzeitig frei in der Stadt bewegten. 1631 unterdrückte Papst Urban VIII schließlich die Gemeinschaft, die er als «Unkraut in Gottes Garten» bezeichnete, das es auszurupfen galt. Er verbot ihnen allerdings nicht ihr pädagogisches Wirken. Und so gründeten sie viel Schulen, zunächst vor allem in Süddeutschland und Österreich, aber auch in England.

Dem großen Anliegen Mary Wards entsprechend führte der Orden durch die Jahrhunderte hindurch zahlreiche Schulen, später auch Hochschulen. Im Bereich der Bildung spielte der Orden eine pionierhafte Rolle in der Ausbildung von Mädchen und Frauen. Im Laufe der Zeit wurde das Anliegen der Bildung von Frauen auch von anderen religiösen Gemeinschaften, besonders den Schulorden und -kongregationen betrieben, sodass die Englischen Fräulein sich auch anderen Aufgaben zuwendeten. Grundsätzlich liegen diese heute in allen Bereichen der Pastoral oder der sozialen Dienste. Der Orden ist den wesentlichen apostolischen Aufgaben der 34. Generalkongregation der Gesellschaft Jesu verpflichtet, ein besonderer Schwerpunkt liegt in der Vermittlung ignatianischer Spiritualität, konkret der ignatianischen Exerzitien. Heute arbeiten die Mitglieder des Instituts in verschiedenen Aufgabenbereichen von Diözesen, in Pfarreien, in der kategorialen Seelsorge, in der Wissenschaft, hier vor allem in der Theologie, den Geisteswissenschaften und verwandten Fächern, und in vielen sozialen Bereichen wie der Migranten- und Flüchtlingsarbeit, der Prostituiertenhilfe und der Sozialarbeit in den Slums. So hat die Gemeinschaft in unserer Diözese die Trägerschaft ihrer beiden Schulen in St. Pölten und Krems vor einigen Jahren an die Vereinigung von Ordensschulen Österreich übergeben. Gleichzeitig unterhalten die Schwestern im Mary-Ward-Haus Lilienhof einen regen Exerzitienbetrieb und sind intensiv in der Pastoral tätig.

Am 19. Dezember 2009 wurde ihr von Papst Benedikt XVI. der Ehrentitel ehrwürdige Dienerin Gottes zuerkannt, der eine wichtige Etappe im Seligsprechungsprozess darstellt.