Wappen der Hochschule
Plakatkampagne für die Hochschule
Kardinal Schönborn beim Hochschuljubiläum
 
 

Publikation der Hochschule über die Philosophie Robert Spaemanns erschienen

J. Kreiml / M. Stickelbroeck, Die Person - ihr Selbstsein und ihr Handeln

St. Pölten, 05.04.2016 (dsp) Am 7./8. November 2014 hat an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Pölten eine Tagung über die denkerischen Ansätze des bedeutenden Philosophen Robert Spaemann (geb. 1927) stattgefunden. Als Referenten und Mitautoren der jetzt erfolgten Publikation konnten – neben Lehrenden der eigenen Hochschule – auch Professoren auswärtiger Universitäten, die z. T. direkte Schüler Spaemanns sind, gewonnen werden. Die Veranstaltung an der PTH ist auf breites Interesse gestoßen. Der in der Schriftenreihe der Hochschule erschienene Band dokumentiert die Vorträge dieser Tagung. Weitere Aufsätze renommierter Philosophieprofessoren (Walter Schweidler, Thomas Buchheim, Leonardo Rodríguez Duplá und Sigmund Bonk) wurden für die Publikation (Band 11) verfasst. Robert Spaemann zählt zu den scharfsinnigsten und einflussreichsten Philosophen der Gegenwart. Er hat sich in eigenständiger Weise mit den großen Themen der Geistesgeschichte auseinandergesetzt. Kompetente Kenner der Philosophie Spaemanns greifen im vorliegenden Band wichtige Fragen heutiger Debatten auf.

Robert Spaemann wendet sich gegen die Reduktion des Menschen auf das, was objektivierende Wissenschaft über ihn sagen kann. Gegen die materialistische Abschaffung unseres Selbstverständnisses bedarf es eines elementaren Widerstandes. Wir müssen uns – so Spaemann – „von der Fessel des Szientismus befreien und darauf bestehen, uns selbst als Menschen ernst zu nehmen“. Aus dem Personcharakter des Menschen folgt eine Verpflichtung für den Umgang mit anderen Personen und mit allem Lebendigen. Spaemann ist der Überzeugung, dass in jeder Ethik elementare metaphysische Annahmen enthalten sind. Ein postmetaphysisches Zeitalter „wäre eine Epoche, in der die Menschen über keine Worte mehr verfügen, um sich über ihr Leben und über die Rolle und Reichweite naturwissenschaftlicher Theorien im Gesamtkontext des Lebens zu verständigen“ (R. Spaemann). Im Hinblick auf das Ende des Denkens kommen nur zwei Möglichkeiten in Frage: Das eine Ende ist die materialistische Annahme, Denken sei nur ein materieller Prozess, und wir seien nicht, für was wir uns halten: wahrheitsfähige, freie Wesen. Dieses Ende des Denkens wäre „Zusammenbruch“. Das andere Ende bedeutet die Gründung des Denkens im unvordenklichen Sein. Nur diese Gründung rechtfertigt das Vertrauen in die menschliche Vernunft.

Band 11 der Schriftenreihe enthält folgende Beiträge:

Rolf Schönberger (Universität Regensburg):
Das Sein des Sinnes. Die Philosophie Robert Spaemanns im Kontext der Philosophie des 20. Jahrhunderts (S. 10-59)

Walter Schweidler (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt):
Die Sicherheit des Zweifels. Bemerkungen zu Robert Spaemanns „Wirklichkeit als Anthropomorphismus“ (S. 60-73)

Helmut Müller (Universität Koblenz-Landau):
Vermächtnis und Gemächte. Anregungen aus Spaemanns Denken von Wirklichkeit (S. 74-97)

Thomas H. Stark (PTH St. Pölten):
Das Verhältnis von Natur und Denken. Zu einem zentralen Thema der Philosophie Robert Spaemanns (S. 98-125)

Josef Kreiml (PTH St. Pölten):
Schritte über uns hinaus. Der Ort der Gottesfrage bei Robert Spaemann (S. 126-144)

Thomas Buchheim / Jörg Noller (Ludwig-Maximilians-Universität München):
Sind wirklich und, wenn ja, warum sind alle Menschen Personen? Zu Robert Spaemanns philosophischer Bestimmung der Person (S. 145-179)

Michael Stickelbroeck (PTH St. Pölten):
Das cerebrale Subjekt. Anfragen an die Neurophilosophie (S. 180-212)

Clemens Breuer (PTH St. Pölten):
Moraltheologie im Lichte der Philosophie Robert Spaemanns (S. 213-252)

Leonardo Rodríguez Duplá (Universität Complutense, Madrid):
Die Theorie der Person und die Bioethik bei Robert Spaemann (S. 253-272)

Sigmund Bonk (Universität Regensburg):
Schuld und Vergebung vor dem Hintergrund von Suchterkrankungen. Reflexionen im Anschluss an eine Textstelle in Robert Spaemanns Buch „Personen“ (S. 273-302)

Die Autoren der vorliegenden Publikation greifen wichtige Argumente Spaemanns auf und denken sie in neuen Kontexten weiter – auch im Hinblick auf die Frage, wie die großen Themen des gesellschaftlichen Miteinanders (z. B. in der Bioethik) ethisch und rechtlich verantwortungsvoll bewältigt werden können. Die Publikation verdeutlicht die besondere Relevanz der Philosophie Spaemanns für künftige Herausforderungen.

Josef Kreiml / Michael Stickelbroeck (Hg.), Die Person – ihr Selbstsein und ihr Handeln. Zur Philosophie Robert Spaemanns. (Schriften der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Pölten, Bd. 11), 304 Seiten, kartoniert, Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2016, ISBN 978-3-7917-2767-7, € 27,80.