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Maria Langegg: von den Serviten zur Gemeinschaft der Seligpreisungen

Maria Langegg, 15.10.2016 (dsp) Im nun letzten Teil der PTH/KBW-Exkursionsreihe zu den geistlichen Gemeinschaften unserer Diözese machte die Studiengruppe zunächst in Maria Langegg Station, um die Geschichte des Wallfahrtorts und die Spiritualität der Gemeinschaft der Seligpreisungen zu erkunden. Sr. Mirjam Reschenhofer, P. Johannes Cornides und Gisela Lösch führten uns durch den Tag. Christa Pfennigberger, die auch an unserer Hochschule studiert hat, präsentierte die von ihr gemeinsam mit ihrem Ehemann Werner seit 2003 herausgegebene Zeitschrift der Gemeinde „Feuer und Licht“.

Um 1600 gehörte die salzburgisch-erzbischöfliche Herrschaft Arnsdorf zu den wenigen katholischen „Inseln“ in einer protestantisch gesinnten Gegend. Ihr Verwalter Matthäus Häring amtierte im stattlichen Langeggerhof. Als seine Tochter 1604 schwer erkrankte, gelobte er vor einem Marienbild, eine Kapelle zu bauen, wenn sein Kind genesen sollte. Im folgenden Jahr löste er sein Gelöbnis ein und stellte das Marienbild zur öffentlichen Verehrung auf. Es wurde bald häufig von Wallfahrern besucht.

Zur Zeit der Gegenreformation wurde die Langegger Wallfahrt von den Habsburgern gefördert. Hochgestellte Persönlichkeiten bedachten sie mit Schenkungen, nicht zuletzt auch, um ihre Loyalität zum Kaiserhaus zu demonstrieren. 1631 wurde eine kleine Kirche eingeweiht. Auf Empfehlung Kaiser Ferdinand III. kamen 1645 die Serviten nach Langegg, die bald mit der Errichtung einer Klosteranlage begannen. 1654 wurde der Westflügel des Klosters errichtet, 1682 folgte der Nord-, 1733 der Südtrakt. 1773 vollendete Baumeister Michael Ehmann die neue Kirche. Ihre malerische Ausstattung stammt großteils von Josef Adam Mölk (1714-1794).

In den Pestjahren 1630, 1634, 1646-50, 1679-81 und 1714 wurde "Maria, Heil der Kranken" zu einer der bedeutendsten Pestwallfahrten des Landes. Auch im 18. Jahrhundert florierte die Wallfahrt. Als Höhepunkt gilt das Jahr 1739 mit 39.000 Wallfahrern. Unter Kaiser Joseph II. wurde Langegg 1783 mit Ortschaften der Pfarren Arnsdorf und Gansbach eine selbständige Ordenspfarre und den Serviten übertragen. Die Wallfahrt wurde verboten, lebte aber bald wieder auf. Im Jahr 1913 zählte man 12.000 Kommunionempfänger, darunter 90 geschlossene Prozessionen. 1974 verließen die Serviten Maria Langegg und übergaben die Pfarre der Diözese St. Pölten. Das Klostergebäude diente 1980-1990 als Haushaltungsschule der Englischen Fräulein, dann als Bildungshaus der Diözese und ab 1993 als Niederlassung der Gemeinschaft der Seligpreisungen.

Die Gemeinschaft, die im Jahr 1973 von zwei evangelischen Ehepaaren in Frankreich gegründet wurde, nannte sich ursprünglich „Gemeinschaft vom Löwen von Juda und dem geopferten Lamm“ – die Bezeichnungen für Christus in der Offenbarung des Johannes. Die beiden Ehepaare schlossen sich, bald auch mit mehreren anderen Freunden, zu einem gemeinsamen Leben in Gebet und Gütergemeinschaft zusammen. Die ersten Mitglieder der Gemeinschaft waren durch die Erfahrung der Charismatischen Erneuerung geprägt. Obwohl die meisten von ihnen ursprünglich evangelisch waren, führte sie ihr gemeinsamer geistlicher Weg schon nach wenigen Jahren in die Katholische Kirche. 1979 erhielt die Gemeinschaft die bischöfliche Anerkennung als Pia unio.

Anfangs bestand die Gemeinschaft nur aus Laien: Ehepaare, Familien und Unverheiratete. Sehr bald kamen jedoch auch Menschen dazu, die sich zum geweihten Leben hingezogen fühlten und in der Gemeinschaft private Gelübde nach den drei evangelischen Räten ablegten. Einige geweihte Brüder begannen das Theologiestudium im Hinblick auf das Priestertum und bereits 1985 wurde der erste Priester der Gemeinschaft geweiht. 1991 erfolgte im Zuge ihrer internationalen Ausbreitung die Umbenennung in „Gemeinschaft der Seligpreisungen“. 2002 wurde die Gemeinschaft vom Heiligen Stuhl als Vereinigung von Gläubigen päpstlichen Rechtes anerkannt, mit einer Approbation „ad experimentum“ ihrer Statuten. Heute ist sie als „Kirchliche Familie geweihten Lebens“ errichtet, eine Rechtsform, die unter Papst Johannes Paul II. im Hinblick auf die strukturellen Besonderheiten bei einer Vielzahl der Neuen Geistlichen Gemeinschaften in der Katholischen Kirche neu geschaffen wurde.

Die Spiritualität der Gemeinschaft ist karmelitisch inspiriert (inneres Gebet und Kontemplation) sowie auch von der Tradition der Ostkirche beeinflusst, was sich zum Teil auch in byzantinischen Elementen in der Liturgie ausdrückt. Die eucharistische Anbetung und eine marianische Frömmigkeit gehören ebenso zur gemeinschaftlichen Grundspiritualität, wie auch der Lobpreis sowie die Ausübung von Charismen. Zu ihrem besonderen Gebetsanliegen der Einheit aller Christen kommt auch eine geistliche Verbundenheit mit dem Volk Israel, die gemäß der Aussage des II. Vatikanum („Nostra Aetate“) zum Geheimnis der Kirche gehört. Das gemeinschaftliche Leben soll von einem Leben nach den Seligpreisungen der Bergpredigt geprägt sein und die Sehnsucht nach dem Reich Gottes ausdrücken. Heute umfasst die Gemeinschaft etwa 800 Mitglieder in 50 Häusern weltweit, die Gemeinschaft betreibt einen Verlag und einen Rundfunksender.

P. Johannes Cornides ist der Priester der Pfarre und Wallfahrtskirche Maria Langegg. Gemeinsam mit Sr. Mirjam Reschenhofer und Sr. Christine Scherz betreut er die Wallfahrer, die jedes Jahr hierher kommen und auch im Kloster nächtigen können. Seit 2008 gibt es ein Wallfahrtsmuseum. Das Museumsangebot umfasst einen „Outdoor-Themenweg“, bei dem auf einem rund zwei Kilometer langen Weg rund um das Kloster mittels Glasstelen Informationen über die Geschichte von Maria Langegg präsentiert werden, und einen „Indoor-Themenweg“. Dieser bietet auf zehn Schautafeln einen Überblick über die Wallfahrt in Niederösterreich und stellt Wallfahrtsziele vor. Weiters können Votivbilder der Barockzeit, die original erhaltene Bibliothek der Serviten und die Schatzkammer besichtigt werden.