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„Liebe sei Tat“: Barmherzigkeit im Geiste der Heiligen Vinzenz und Louise

Louise de Marillac

St. Pölten, 15.02.2016 (dsp) Bei den Barmherzigen Schwestern des Heiligen Vinzenz von Paul in Maria Anzbach schloss sich für die Pilgergruppe der PTH und des KBW langsam der Jahreskreis des geweihten Lebens – das in den kommenden Monaten trotzdem weiter erforscht werden soll; gleichzeitig war es für die Gruppe ein Auftakt des Jahres der Barmherzigkeit.

Dabei waren unsere Erfahrungen wieder einmal sehr „anders“, denn das „Leben in Klöstern heute“, wie die Exkursionsreihe in die geistlichen Gemeinschaften der Diözese St. Pölten offiziell heißt, hat uns schon einige Male an Stätten geführt, die sich nur auf dem zweiten Blick auch als Lebensort eines Konvents eröffneten. So betraten wir in Maria Anzbach zunächst einmal ein hochmodernes Pflegehaus, das den Namen der Ordensgründerin, der Heiligen Louise de Marillac trägt und unter der Leitung der Konventoberin Sr. Basilides Steinmaßl steht, die uns gemeinsam mit der extra aus Wien angereisten Generaloberin Sr. Cordula Kreinecker und der Heim- und Pflegedienstleiterin Gerlinde Göschelbauer sowie allen Schwestern des Maria Anzbacher Konvents durch den Tag geleitete und in die Spiritualität der beiden Ordensgründer einführte.

Der Gascogner Vinzenz von Paul entschloss sich schon früh zum Theologiestudium und zur Priesterlaufbahn, wenn auch einträgliche kirchliche Pfründe und ein bequemes Leben ursprünglich ein wichtiger Beweggrund gewesen sein mochten. Sein junges Leben erfuhr eine jähe Zäsur, als er 1605 von Piraten gefangen, nach Tunis verschleppt und in die Sklaverei verkauft wurde. Erst nach drei Jahren gelangte er in die Freiheit, kam nach Rom und in der Begegnung mit den Ärmsten der Gesellschaft sowie durch die geistliche Betreuung von Pierre de Bérulle, einem Führer der französischen Gegenreformation und Begründer der „École française de Spiritualité“ wandte er sich intensiv der Armenseel- und -fürsorge zu. Aus der Gruppe seiner Helfer entstand 1625 die Kongregation der Lazaristen bzw. Vinzentiner.

Schon einige Jahre zuvor, 1617, gründete er „Confrérie des Dames de la Charité“, die „Bruderschaft der Damen der christlichen Liebe“, eine karitative Frauenvereinigung, die sich um Arme und Kranke sorgte. Sie verstanden sich bewusst als eine Alternative zur strengen Klausur der Nonnen. Eine diesbezügliche Aussage des hl. Vinzenz ging in die Lebensregel der Schwestern über: Ihr habt als Kloster die Häuser der Kranken, als Zelle eine Mietkammer, als Kapelle die Pfarrkirche, als Kreuzgang die Straßen der Stadt, als Klausur den Gehorsam, als Gitter die Gottesfurcht und als Schleier die heilige Bescheidenheit. Den Damen wurde die Arbeit in den Caritasgruppen, vor allem in Paris, bald zu viel und zu schwer, so dass junge Landmädchen als Helferinnen angestellt wurden. Louise de Marillac, eine enge Mitarbeiterin von Vinzenz von Paul, nahm sich dieser Helferinnen an, und allmählich wurde daraus die „Gemeinschaft der Töchter der christlichen Liebe“, die später verschieden Kongregationen ausbildete, so auch die Barmherzigen Schwestern.

Die Geschichte des Konvents in Maria Anzbach geht auf das späte 19. Jahrhundert zurück. 1898 wurde der „Zwicklhof“, ein landwirtschaftlicher Betrieb, von den Barmherzigen Schwestern unter wesentlicher Mithilfe von Schwester Magdalena Kühtreiber und ihrer Familie erworben. Sr. Magdalena leitete als Oberin das Waisenhaus der Barmherzigen Schwestern in Wien-Fünfhaus und wollte armen Kindern eine Erholungsmöglichkeit auf dem Land bieten. Der Zwickelhof wurde entsprechend adaptiert, wobei die Landwirtschaft neben dem Erholungsheim bestehen blieb. Anfang der 1930er Jahre erhielt der Hof den neuen Namen „Ludowikaheim“. Eine Zäsur brachten die Jahre des zweiten Weltkriegs, als das Heim zur Unterkunft vieler Kriegsflüchtlinge diente. Doch bereits 1946 kamen durch die Caritas wieder die ersten Kinder aus Wien zur Erholung. 1972 wurde das Erholungsheim in ein Altenheim mit 48 Betten umgebaut, 1989 die Landwirtschaft still gelegt. In den 1990er Jahren wurde ein Begegnungsort für Jugendliche – das so genannte „Jugendnest“ – geführt. Ende der 1990er Jahre begann die Transformation in die heutige Institution. Nach Errichtung des Zubaus und der Generalsanierung des Altbaus wurde 2001 das auf 74 Betten erweiterte Alten- und Pflegeheim St. Louise eröffnet und gesegnet. 2010 wurde der Abtretungsvertrag der „Barmherzige Schwestern Alten- und Pflegeheime GmbH“ an die Vinzenz-Gruppe unterzeichnet. Gleichzeitig erfolgte die Umbenennung in Barmherzige Schwestern Pflege GmbH. Das Haus bietet stationäre Langzeitpflege als auch stationäre Kurzzeitpflege und Tagespflege an. 2013 wurde St. Louise mit acht vom Land NÖ genehmigten Kontingentbetten zum Schwerpunktzentrum für Übergangspflege. 2015 wurde der Zubau mit insgesamt drei neuen Wohngruppen eröffnet. Insgesamt wird das Angebot auf 100 Betten erweitert. St. Louise stockt in der Übergangspflege von acht auf zwölf Betten auf. Die fünf Schwestern sind nach wie vor in den Betrieb voll eingebunden und gehen den verschiedensten Aufgaben im Pflegehaus nach. Und das „Jahr der Barmherzigkeit“ ist für die Barmherzigen Schwestern von Maria Anzbach die Gelegenheit zur Selbstreflexion.