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Kardinal Schönborn beim Hochschuljubiläum
 
 

Kardinal Schönborn über „Liebe“ bei Thomas von Aquin

Erzbischof Dr. Christoph Kardinal Schönborn OP an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Pölten

St. Pölten, 13.10.2016 (dsp) Kardinal Christoph Schönborn hielt zum Abschluss des 225-Jahr-Jubiläums der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Pölten eine Vorlesung über „Liebe und Barmherzigkeit bei Thomas von Aquin“. Dem hochkarätigen Vortrag in der Aula der Hochschule folgten unter anderen Diözesanbischof Klaus Küng, Generalvikar Eduard Gruber, Rektor Reinhard Knittel und das Professorenkollegium sowie zahlreiche Studentinnen und Studenten.

Caritas, die Gottes- und Nächstenliebe, habe im Unterschied zu amor, der natürlichen Liebe, eine übernatürliche Dimension, erläuterte Schönborn und wies darauf hin, dass Papst Franziskus in seinem Apostolischen Schreiben „Amoris laetitia“ wie auch in seinen anderen Schriften sehr häufig Thomas von Aquin zitiere.
Da zu einer Freundschaft gegenseitige Liebe gehöre, stelle sich dem heiligen Thomas die zentrale Frage, ob zwischen Gott und dem Menschen eine solche mutua amatio überhaupt möglich sei. Schönborn: „Wie kann es zu einem Rück-Lieben kommen zu dem, der uns seine Freundschaft geschenkt hat?“
Der Aquinate komme in seinen Ausführungen zu dem Schluss, dass die Gottesliebe nicht etwas Geschaffenes, sondern Gott selbst sei, der etwas von sich in unsere Seele eingesenkt habe. „Dass wir lieben und geliebt werden wollen, ist uns eingegeben“, erklärte Schönborn. Echte caritas übersteige unser natürliches Willensvermögen, sodass die Freundschaft mit Gott für uns nur möglich sei, „weil er uns Anteil an seinem Leben gegeben hat“.

Das Jubiläumsjahr der St. Pöltner Hochschule hatte im Jänner mit einer Festmesse mit Diözesanbischof Klaus Küng im Dom und einem Festakt mit Nuntius Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen und Bischof Manfred Scheuer als Festredner begonnen. Ein weiterer Höhepunkt der 225-Jahr-Feiern war eine Festmatinee im April mit einem geschichtlicher Rückblick auf bedeutende Persönlichkeiten der Hochschule.

Bischof Kerens gründete 1791 Philosophisch-Theologische Lehranstalt

Nach der Aufhebung der von Kaiser Joseph II. vorgeschriebenen Generalseminarien errichtete Bischof Johann Heinrich von Kerens für die Diözese eine philosophisch-theologische Lehranstalt, die am 14. Oktober 1791 ihren Betrieb aufnahm. Zunächst war sie eine reine Ausbildungsanstalt, gewann aber ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zusehends an wissenschaftlicher Bedeutung. Seit 1. September 1971 heißt sie „Philosophisch-Theologische Hochschule der Diözese St. Pölten“. Seit dem Studienjahr1971/72 wird neben der fachtheologischen auch eine religionspädagogische Studienrichtung geführt. Zurzeit besuchen insgesamt über 160 Hörerinnen und Hörer die Lehrveranstaltungen der Hochschule.