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Honorarprofessor unserer Hochschule gibt „Gesammelte Schriften“ von Johann Baptist Metz heraus

em. Univ.-Prof. DDr. Johann Reikerstorfer

St. Pölten, 14.03.2016 (dsp) Der emeritierte Professor für Fundamentaltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien und Honorarprofessor an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Pölten Univ.-Prof. em. Dr. Dr. Johann Reikerstorfer gibt im Herder-Verlag, Freiburg im Breisgau, die auf zehn Bände angelegten „Gesammelten Schriften“ des international sehr einflussreichen Theologen Johann Baptist Metz heraus. Die Bände 1 und 2 sind bereits 2015 erschienen. Professor Reikerstorfer und Professor Metz kooperieren seit 1994 wissenschaftlich sehr eng.  

 


Editionsplan der „Gesammelten Schriften“ von Johann Baptist Metz:

Band 1: Mit dem Gesicht zur Welt (2015)
Band 2: Frühe Schriften, Entwürfe und Begriffe (2015)
Band 3/1 und 3/2: Im dialektischen Prozess der Aufklärung
1. Teilband: Glaube in Geschichte und Gesellschaft. Studien zu einer praktischen Fundamentaltheologie (2016)
2. Teilband: Neue Politische Theologie – Versuch eines Korrektivs der Theologie (2016)
Band 4: Memoria passionis
Band 5: Unterwegs zu einer Christologie der Nachfolge
Band 6/1 und 6/2: Lerngemeinschaft Kirche
1. Teilband: Aufstand der Hoffnung (2016)
2. Teilband: Mit Anderen glauben (2016)
Band 7: Mystik der offenen Augen
Band 8: Gott in Zeit. Von der Gnosis zur biblischen Apokalyptik
Band 9: Im Gespräch mit Johann Baptist Metz
Band 10: Nach-Worte, Bibliographie und Gesamtregister

Buchvorstellung:

JOHANN BAPTIST METZ, Frühe Schriften, Entwürfe und Begriffe. (Gesammelte Schriften. Bd. 2, hg. von Johann Reikerstorfer), 360 Seiten, Verlag Herder, Freiburg 2015, ISBN 978-3-451-34802-0, € 49,99.

Johann Baptist Metz (geb. 1928) gehört zu den einflussreichsten Theologen unserer Zeit. Er lehrte ab 1963 an der Universität Münster 30 Jahre lang Fundamentaltheologie, erhielt mehrere Ehrendoktorate und nahm nach seiner Emeritierung mehrere Jahre lang eine Gastprofessur an der Universität Wien wahr. Seit 2015 ediert der Herder-Verlag die auf zehn Bände angelegten „Gesammelten Schriften“ des Autors (JBMGS). Nach Bd. 1 („Mit dem Gesicht zur Welt“, 2015) ist bereits Bd. 2 erschienen. Als Herausgeber fungiert der emeritierte Wiener Fundamentaltheologe Johann Reikerstorfer.

In den „Vorbemerkungen des Herausgebers“ (11 f) weist Reikerstorfer darauf hin, dass der vorliegende Band „frühe Denkentwürfe“ des Autors enthält, die sich der „anthropologischen Wende“ christlicher Gottesrede verpflichtet wissen. In diese „Wende“ hat sich Metz – vorbereitet durch seine Bearbeitung der Neuauflagen von Karl Rahners Frühwerken „Geist in Welt“ und „Hörer des Wortes“ – in seiner „Christlichen Anthropozentrik“ eingefädelt. In diesem Werk suchte Metz bereits bei Thomas von Aquin „jene Spuren zu entdecken und freizulegen, die `Welt´ nicht mehr griechisch als `Kosmos´, sondern anfänglich als `Geschichte´ kenntlich machen“ (11). Dieser neue Verstehenshorizont – als „Denkform“ – ist primär an geschichtlichen Existenzverhaltungen orientiert. „In ihm bringt sich die dem geschichtlichen Offenbarungswort entsprechende Wende von der Substanz zum Subjekt, von der Natur zur Geschichte und hin zu einer temporal-personalen Weltauffassung zur Geltung“ (11). Die anschließenden Studien im Kontext der „Christlichen Anthropozentrik“ lassen – so Reikerstorfer – erkennen, dass bei Metz schon früh das „Mitsein“ in den theologischen Grundgestus einrückt und jedes individualistische (zeit- und geschichtslose) Identitätsdenken sprengt. „Der in seiner Leiblichkeit exponierte Mensch kommt als Subjekt nur an den Anderen und mit den Anderen zu sich selbst“ (11). In dieser Einsicht wurzelt das Grundparadigma einer Gottesrede, die sich aus der bewusstseinsphilosophischen Umklammerung befreit und als „politische Gottesrede“ in geschichtlicher und gesellschaftlicher Öffentlichkeit zu entwerfen beginnt. Die aufgenommenen Lexikonartikel spiegeln – so der Herausgeber – dieses Ringen in der Ausarbeitung kategorialer Wissens- und Ausdrucksweisen innerhalb der theologischen Begriffswelt.

Der erste Teil der Publikation (13-115) enthält das Werk „Christliche Anthropozentrik. Über die Denkform des Thomas von Aquin“, das Metz 1962 veröffentlicht hat – mit einem „einführenden Essay“ Karl Rahners (15-24). Der zweite Teil der JBMGS Bd. 2 (117-226) präsentiert sechs Studien im Umkreis der „Christlichen Anthropozentrik“, die Metz zwischen 1957 und 1965 publiziert hat. Sie tragen folgende Titel: Die „Stunde“ Christi. Eine geschichtstheologische Erwägung; Zur Metaphysik der menschlichen Leiblichkeit; Theologische und metaphysische Ordnung; Caro cardo salutis. Zum christlichen Verständnis des Leibes; Freiheit als philosophisch-theologisches Grenzproblem; Der Unglaube als theologisches Problem. – Im dritten Teil des Bandes („Frühe Versuche zur anthropologischen Wende in der theologischen Begriffswelt“; 227-337) werden 18 Lexikonartikel vorgelegt, die Metz zwischen 1958 und 1965 im „Lexikon für Theologie und Kirche“ (2. Auflage) und im „Handbuch theologischer Grundbegriffe“ (1962/63) veröffentlicht hat. Diese Lexikonartikel reichen – in alphabetischer Reihenfolge – von „Befindlichkeit“ bis „Welt, systematisch“. Abgeschlossen wird Bd. 2 der JBMGS mit bibliographischen Nachweisen, einem Personen- und einem Sachregister.

Der vorliegende Band dokumentiert in hervorragender Weise den frühen Denkweg von Johann Baptist Metz. Ausgehend von den Thomas-Interpretationen seines Lehrers Karl Rahner hat sich der Münsteraner Fundamentaltheologe immer mehr dem Phänomen des Temporal-Personalen zugewendet und so seine eigenständige theologische Linie entwickelt. Metz hat auf diesem Denkweg – im Sinne des „Glaubens in Geschichte und Gesellschaft“ – seine praktische Fundamentaltheologie entworfen. Viele Zeitschriftenbeiträge des Autors sind heute nur noch schwer zugänglich. Insofern ist dem Herausgeber und dem Verlag dafür zu danken, dass sie mit diesen „Gesammelten Schriften“ den konzentrierten Denkweg eines maßgeblichen Theologen unserer Zeit neu zur Diskussion stellen.

Prof. Dr. Josef Kreiml

in: KlBl 96 (2016), S. 39