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Francesco in der Stadt: Seelsorge im Zentrum

St. Pölten, 12.12.2016 (dsp) Die letzte Station der gemeinsamen Exkursionsreihe der PTH und des KBW durch die Ordens- bzw. geistlichen Gemeinschaften auf dem Gebiet unserer Diözese führte uns zurück in die Bischofsstadt: zu den Franziskanern in St. Pölten. Hier am Rathausplatz halten drei Brüder die Stellung: der Hausobere und Pfarrer P. Elisäus Hrynko, Kaplan P. Klemens Pieczko und Fr. Beatus Klammer, der u.a. als Sakristan tätig ist.


Nach St. Pölten kamen die Franziskaner durch die Tätigkeit des heiligen Johannes Kapistran, der auch in dieser Gegend predigte. Um 1450 erhielten sie die Maximilianskapelle an der Wienerstraße und ein Grundstuck zur Errichtung eines Klosters zugewiesen. 1507 wurde die Klosterkirche geweiht und um 1645 ein frühbarocker Neubau des Klosters errichtet. Heute ist die Hochschule in diesem ehemaligen Kloster zu Hause.

1785 drohte dem Franziskanerkloster die Aufhebung, doch Bischof Kerens, der erste Bischof der neu gegründeten Diözese St. Pölten, wollte die Minderbrüder in seiner neuen Bischofsstadt halten. So errichtete er an der Kirche des aufgehobenen Karmeliterklosters am Rathausplatz eine zweite Stadtpfarre und übertrug die Betreuung den Franziskanern, die nun ins ehemalige Karmeliterkloster übersiedelten, während das Kloster an der Wienerstraße zum Priesterseminar wurde.

Das heutige Franziskanerkloster wurde 1757 als Karmeliterkloster erbaut. Diese kamen schon 1709 nach St. Pölten, um die Karmelitinnen in dem von Gräfin Montecuccoli gegründeten Kloster, dem heutigen Stadtmuseum, geistlich zu betreuen. Von wem die Pläne für diese beiden Klöster stammen, ist leider nicht bekannt. Aber die Fassaden der beiden Klosterkirchen, der heutigen Franziskanerkirche sowie der heutigen Prandtauerkirche, weisen wechselseitige Bezüge auf. Der Figurenschmuck der Fassaden nimmt auf den Karmel Bezug.

Über dem Portal der Franziskanerkirche ist das Prager Jesulein zu sehen, dem die Kirche bis zur Übernahme des Dreifaltigkeitspatrozinium durch die Franziskaner geweiht war. Das karmelitische Programm setzt sich auch im Inneren der Kirche fort, der vordere rechte Seitenaltar ist der Hl. Theresa von Avila gewidmet, der hintere rechte Seitenaltar, der dem Hl. Nepomuk gewidmet ist, ist von den karmelitischen Heiligen, den Hl. Angelus und den Sel. Fraucus, flankiert. Auf dem Altarbild des vorderen linken Seitenaltars überreicht Maria mit dem Jesuskind dem heiligen Simon Stock, dem im 13. Jahrhundert Ordensgeneral der Karmeliter war, das Skapulier als Schutzzeichen für die Christen. Und der hintere linke Seitenalter, der dem Apostel Thaddäus geweiht ist, ist von den heiligen Karmeliterbischöfen Andreas Corsini und Albert von Jerusalem flankiert. Diese Skulpturenausstattung der Kirche bleibt ohne die Kenntnis der Diözesangeschichte unverständlich.

Eine Besonderheit ist die Friedensmadonna auf der linken Seite unter der Orgelempore. Im Ersten Weltkrieg gruben österreichische Soldaten des aus St. Pölten stammenden Schützenregiments 21 in der total zerstörten Kirche St. Katharina in Görz/Gorizia am Isonzo eine unversehrte Marienstatue aus. Sie wurde als Schutzfrau des Schützenregiments 21 über dem Eingang zur großen Kompaniekaverne am Kalvarienberg aufgestellt. Einige Zeit später zerstörten Granaten den Eingang, die Marienstatue blieb aber wieder unversehrt, es wurde auch niemand getötet oder verwundet. Zum Andenken an die Kämpfe am Isonzo wurde die Statue in die Heimatgarnison des Regiments, nach St. Pölten gesandt und fand dort ihren Platz in der Franziskanerkirche.

Weltweit umfasst der Franziskanerorden heute 15.000 Brüder in 116 Provinzen und Kustodien. Das Kloster in St. Pölten gehört zu der 2007 eingerichteten „Franziskanerprovinz Austria vom Hl. Leopold in Österreich und Südtirol“ mit dem Sitz des Provinzials in Salzburg. Die Tätigkeitsbereiche der insgesamt 135 Franziskaner der Provinz reichen von der Pfarr- und Wallfahrtsseelsorge über Exerzitien und Schulunterricht bis hin zum Dienst für Menschen in Not.

Die Franziskaner in St. Pölten sind für die Seelsorge nicht nur in einem Teil des Stadtgebiets, sondern auch für sieben Landgemeinden zuständig: Pummersdorf, Waitzendorf, Winzendorf, Hafing, Schwadorf, Mooshöfe und Neubach. Dabei finden die regelmäßigen Sonntagsgottesdienste nur in der Stadtpfarrkirche statt, zu denen die Gläubigen dann auch aus den sieben Landgemeinden zusammen kommen. Einmal im Monat findet ein großes Pfarrcafe statt, das jeweils von zwei Gemeinden gemeinsam organisiert wird, so P. Elisäus. Das ist eine große Sache, die Menschen bleiben dann teils bis in den Nachmittag zusammen. In den Landgemeinden werden besondere Gottesdienste durch den Jahreskreis gehalten. Auch die Wallfahrt zum Franziskanerkloster Maria Enzersdorf, unter dem Namen „La Verna“ ein franziskanisches Zentrum für junge Erwachsene, spielt eine wichtige Rolle.

Einst war die Franziskanerkirche in St. Pölten durch ihre zentrale Lage mitten in der Stadt als die Beichtkirche bekannt, wo die Menschen praktisch über den ganzen Tag das Sakrament der Buße empfangen konnten. Aufgrund der geringen Zahl der Brüder und der vielen pfarrlichen Aufgaben ist das heute so nicht mehr möglich, dennoch kann man jeden Tag zu fixen Zeiten am frühen Vormittag zur Beichte gehen. Aber nicht nur pfarrliche Seelsorge und Beichte, auch eine tägliche Ausspeisung für die Ärmeren in unserer Stadt gehört in unserer reichen Gesellschaft zu den alltäglichen Aufgaben der Franziskaner.

Mit drei Brüdern ist aber das Franziskanerkloster in St. Pölten natürlich nicht voll belegt und auch der Pfarrbetrieb nützt die vorhandenen Raumressourcen nicht annährend vollständig aus. So ist das Kloster auch Ort anderer besonderer Einrichtungen. Es findet sich dort auch „Die Brücke“, ein Zentrum für Krisenintervention und Klärung in der stationären Kinder- und Jugendhilfe, die eine „Außenstelle“ des vom Land NÖ betriebenen Sozialpädagogischen Betreuungszentrum Hollabrunn ist. „Die Brücke“ ermöglicht eine zeitlich befristete, 6 Wochen bis 3 Monate dauernde, stationäre Aufnahme für Kinder und Jugendliche durch eine Maßnahme der Bezirksverwaltungsbehörde, um eine akute und erhebliche Gefährdung für die Kinder abzuwenden. Ein multiprofessionelles Team bietet den Kindern und Jugendlichen in einem geschützten und beruhigenden Rahmen stützende Begleitung. Auch die Diözese St. Pölten unterhält im Kloster pastorale Einrichtungen, so etwa das H2-Jugendcenter. Für P. Elisäus sind diese sozialen, karitativen und pastoralen Kooperationen mit der Stadt, dem Land und der Diözese sehr wichtig und für den Konvent gleichsam mit sinnstiftend.

Im Gedenken an Ada Molin-Pradel, die an allen unseren Exkursionen teilgenommen hat.