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„Eine höchst bedenkliche Sache“: Eugen von Mazenod und die Oblaten von Maria Taferl

St. Pölten, 06.06.2016 (dsp) Seit genau 200 Jahren sind die Oblaten der Makellosen Jungfrau Maria nach dem Vorbild des Heiligen Eugen von Mazenod als Missionare für die Ärmsten der Armen unterwegs. Und seit etwa 40 Jahren sind sie nun die der Wallfahrst- und Pfarrseelsorge in Maria Taferl tätig. Eine gute Gelegenheit für die forschenden Pilger der Hochschule und des Bildungswerkes unserer Diözese, sich mit dem in Österreich nicht allzu bekannten Heiligen aus dem südfranzösischen Aix-en-Provence und seiner Wirkungsgeschichte auseinanderzusetzen. Durch den Tag führten der Rektor des Hauses und Pfarrer von Maria Taferl, P. Andreas Petith OMI, sowie der Theologe und Moderator der Pfarren Artstetten und Pöbring, P. Athanasius von Wedon, OMI.

Eugen von Mazenod, aus einem provenzalischen Adelshaus stammend, floh mit seiner Familie vor der französischen Revolution nach Italien; als Dreizehnjähriger wurde er Zeuge der zahlreichen Gräuel und Morde des Grande Terreur 1793/94. Nach einer kurzen Zeit in Nizza lebte Eugen von Mazenod in Turin, Venedig, Neapel und schließlich Palermo, wo er das Leben eines jungen Adligen genoss und sich zunächst vom Glauben entfremdete. Noch unter Napoleon kehrte er 1802 auf Wunsch seiner Mutter nach Frankreich zurück, um den Besitz seiner Familie zu sichern. Während seine Mutter eine passende Frau für ihn zu finden suchte, erlebte Eugen eine Zeit der Langeweile und der Unentschiedenheit. Bewegt durch ein mystisches Erlebnis vor dem Gekreuzigten am Karfreitag 1807 entschloss er sich, Priester zu werden und trat in das Priesterseminar St. Sulpice ein, wo er noch als Diakon zum Rektor aufstieg. 1811 wurde Eugen zum Priester geweiht. Die angebotene Position als Generalvikar des Bischofs von Paris lehnte er ab und begab sich als Volksmissionar in die Provence, um dort den Glauben neu zu entfachen, der unter den Armen zu erlöschen drohte. Sein zentrales Anliegen war den Menschen zu zeigen, wer Jesus Christus ist.

„Ich habe mich in den Dienst der Kirche gestellt, gerade weil sie in Bedrängnis ist, gerade weil es in ihr Kräfte gibt, die den Glauben aushöhlen und Spaltungen heraufbeschwören. Es ließ mir keine Ruhe, als ich sah, dass kaum noch jemand bereit ist, sich für den ungeschmälerten Glauben einzusetzen, dafür auch etwas dranzugeben und auf ein ruhiges und bequemes Leben zu verzichten. Und ich vertraue darauf, dass Gott mir die nötige Kraft geben wird, mich auf eine solche, menschlich gesprochen, höchst bedenkliche Sache einzulassen.“

Er widmete sich vor allem der Erziehung der Jugend, die von der Ideologie der Revolution beeinflusst war, und er predigte in Provençal, dem örtlichen Dialekt. Mit einigen gleichgesinnten jungen Priestern gründete er 1816 in den Räumen des ehemaligen, 1792 in der Französischen Revolution zwangsweise aufgelösten Karmelitinnenklosters in Aix-en-Provence die Gemeinschaft der Missionare der Provence, mit Aufgaben in der Volksmission und übernahm das Amt des Generaloberen, das er bis zu seinem Tod innehatte; Papst Leo XII. erkannte die nun Oblaten der Makellosen Jungfrau Maria genannte Kongregation 1826 trotz des Widerstandes einiger französischer Bischöfe an. Eugen verfasste die Konstitutionen und sandte Missionare auch nach Kanada, nach Ceylon/Sri Lanka und in die USA, nach Südafrika und nach Mexiko. 

1821 war die Wiedereinrichtung der Diözese Marseille auch dem Wirken von Eugen von Mazenod zu verdanken; er wurde zunächst dort Generalvikar und 1837 als Nachfolger seines Onkels Bischof. Er ließ zahlreiche Kirchen bauen, darunter die Kathedrale in Marseille und das Heiligtum Notre-Dame-de-la-Garde, kümmerte sich besonders um die Einwanderer und Fremdarbeiter in der Hafenstadt und gründete 22 neue Pfarreien und Seminare in seiner Diözese. Während seines Episkopates wurden in der Diözese 31 Ordensgemeinschaften neu gegründet oder zugelassen, dazu gründete er caritative Institutionen. Leidenschaftlich kämpfte er für das Recht auf Religionsunterricht.

Die von Eugen gegründeten Oblaten der Makellosen Jungfrau Maria waren bis zu seinem Todesjahr auf 400 Mitglieder angewachsen. Heute arbeiteten mehr als 4500 Oblaten in allen Erdteilen. Das Gründungshaus der deutschen Oblaten liegt in auch Hünfeld, wo auch das Noviziat eingerichtet ist. Sitz der Mitteleuropäischen Provinz ist Mainz. Ein weiblicher Zweig, die Oblatinnen, wurde vor einigen Jahren gegründet. Mit dem Sel. Josef Cebula, der 1941 im Konzentrationslager Mauthausen umgebracht wurde, gedenkt der Orden auch an einen Märtyrer der Nazi-Zeit.

Seit 1969 sind die Oblatenmissionare für die Wallfahrts- und die Pfarrseelsorge in Maria Taferl zuständig. Maria Taferl ist das größte Marienheiligtum des Landes Niederösterreich und der Diözese St. Pölten. Die Seelsorge an Marienwallfahrtsorten gehört seit jeher zu den Aufgaben unserer Gemeinschaft. Ob in Lourdes, in Afrika, Lateinamerika oder in Deutschland, Österreich oder Tschechien, wir sind an vielen Pilgerstätten tätig. Das Oblatenkloster, das von vier Patres bewohnt wird, biete dabei viel Platz für Pilger, ob sie nun nur eine Nacht oder gleich ein paar Tage verweilen wollen. Gäste sind eingeladen, mit den Oblaten die Mahl- und Gebetszeiten zu teilen sowie geistliche Begleitung in Anspruch zu nehmen.

Link zu weiteren Informationen: Eugen von Mazenod