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„Nostra aetate“-Tagung: Dialog mit Muslimen verstärken

Prof. Dr. Bernhard Dolna, Prof. Dr. Josef Kreiml, Rektor Dr. Reinhard Knittel, a.o. Prof DDr. Burkhard Berkmann, Priv.Doz. Dr. Ernst Fürlinger

St. Pölten, 16.01.2015 (dsp) Die Haltung Papst Johannes Pauls II. in der Krise nach „9/11“ sei „eine Orientierung für unsere gegenwärtige Lage“. Das betonte der Religionswisseschaftler Ernst Fürlinger von der Donau Universität Krems bei einer Fachtagung der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Pölten über 50 Jahre Konzilserklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen „Nostra aetate“. Der Papst habe damals den Dialog mit den Muslimen nicht abgebrochen, sondern sogar verstärkt.

Der Begriff „interreligiöser Dialog“ in der Folge der Erklärung „Nostra aetate“ markiere ein „neues Paradigma“ für das Verhältnis der katholischen Kirche zu den anderen Religionen, wie Fürlinger in seinem Referat über die „Rezeption von Nostra aetate im Pontifikat von Johannes Paul II.“ erklärte. Im Rückblick sei deutlich erkennbar, wie sehr dieses Pontifikat von der Umsetzung dieses Dialog-Paradigmas geprägt war. Fürlinger erinnerte in diesem Zusammenhang u.a. an den Besuch des Papstes in der Großen Synagoge in Rom, den ersten Weltgebetstag in Assisi, das Schuldbekenntnis und die Vergebungsbitte im Jubiläumsjahr 2000 oder den Besuch der Omaijaden-Moschee in Damaskus.

So rief Johannes Paul II. auch nach dem Anschlag auf die Twin-Towers in New York 2001 die Christen dazu auf, den letzten Tag des Ramadan zusammen mit den Muslimen weltweit als „Tag des Fastens“ zugunsten eines „dauerhaften, auf Gerechtigkeit beruhenden Friedens“ zu begehen. Gleichzeitig lud er für den 24. Jänner 2002 erneut zu einem Friedensgebet nach Assisi ein.
Der Papst habe durch sein Pontifikat hindurch klar gemacht, dass der interreligiöse Dialog „keine Schönwetterveranstaltung der Gutmeinenden“ in den einzelnen Religionsgemeinschaften sei. Fürlinger: „Er ist kein idealistisches Projekt, das die Katastrophen, die uns umgeben ausblendet. Interreligiöser Dialog steht für den Mut und die Hoffnung, sich inmitten des Hasses gemeinsam mit Menschen anderer Religionen für den Frieden einzusetzen.“

Prälat Österreicher: vergessener Wegbereiter des christlich-jüdischen Dialogs

Bernhard Dolna, Professor für ökumenische und jüdische Studien am ITI Trumau, erinnerte in seinem Vortrag an Prälat Johannes Maria Österreicher, einen „ vergessenen Wegbereiter des internationalen christlich-jüdischen Dialogs“. Der in Mähren gebürtige Österreicher jüdischer Abstammung konvertierte zum katholischen Glauben, wurde Priester und emigrierte in die USA, wo er im Rahmen seiner Lehrtätigkeit begann, die jüdischen Wurzeln des christlichen Glaubens in Erinnerung zu rufen. Zeitlebens habe Österreicher Kontakt mit Juden und dem jüdischen Volk gesucht und gepflegt und stets die „immerwährende Treue Gottes gegen über seinem auserwählten Volk“ betont, sagte Dolna.

1961 berief Papst Johannes XXIII. Prälat Österreicher nach Rom in das Einheitssekretariat, wo dieser eine Studie über den Einfluss des Judentums auf den christlichen Glauben verfassen sollte. Diese Studie wurde schließlich zur Grundlage des Konzilsdokuments „Nostra aetate“, dessen Endfassung dann auch – unter anderen – aus der Feder Österreichers stammte. Dabei sei zu bedenken, dass die Arbeit an diesem Dokument nur 15 Jahre nach der Schoah und 12 Jahre nach der Staatsgründung Israels begonnen hatte, so Dolna. Die Konzilserklärung „Nostra aetate“ sei zwar aus dieser Zeit heraus geschrieben, jedoch „nicht historisch, sondern theologisch“ begründet und daher „zeitlos gültig“, wie Dolna betonte: „Nostra aetate ist die Magna Charta der Versöhnung mit dem Judentum.“

(Foto: Prof. Dr. Bernhard Dolna, Prof. Dr. Josef Kreiml, Rektor Dr. Reinhard Knittel, a.o. Prof DDr. Burkhard Berkmann, Priv.Doz. Dr. Ernst Fürlinger)