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Interdisziplinäre Tagung der Hochschule: Ephesus: Megacity der Antike – Wiege der Kirche

St. Pölten, 21.10.2015 (dsp) „Paulus, durch den Willen Gottes Apostel Jesu, an die Heiligen in Ephesus, die an Christus Jesus glauben.“ So beginnt der Erste der Apostel sein Schreiben. Doch warum ausgerechnet an die Menschen in Ephesus? Und warum waren sie Heilige? Und was wollte Paulus ausgerechnet in dieser riesigen, stinkenden, lauten Stadt?

Anders als die anderen kleinasiatischen Gemeinden, an die Paulus seine Briefe schrieb oder auf seinen Reisen besuchte, war Ephesus keines der zahlreichen Landstädtchen in fruchtbaren Ebenen oder wehrhaften Berglagen, es war vielmehr quasi das New York der damaligen Zeit. An der Ägäis gelegen war sie im 1. Jahrhundert n. Chr. wohl die wichtigste Hafenstadt des gesamten Mittelmeerraumes, keine „geschützte Werkstätte“ für den Apostel, um seine Predigten auszuprobieren, sondern Schmelztiegel der Kulturen und Religionen, ein Babylon der Sprachen, westlicher Endpunkt der berühmten Seidenstraße. Und für die junge Kirche Jesu Christi ein erstes theologiegeschichtliches Zentrum.
Nur knapp 20 Jahre nach dem Wirken Jesu war seine Lehre durch Apollos in die Stadt gelangt. Die Gemeinde von Ephesos war damit eine der ältesten christlichen Gemeinden überhaupt.

Diese Stadt zu kennen und sich ihre große politische und wirtschaftliche Bedeutung in der damaligen Zeit zu vergegenwärtigen, erlaubt auch den Apostelbrief besser, tiefer und angemessener verstehen zu können. Und genau das war das Ziel der hochkarätig besetzten, interdisziplinären Tagung der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Diözese St. Pölten, die der Neutestamentler Professor Josef Pichler zusammengestellt hatte, der erst jüngst sein Buch „Jesus, der Lebensspender“ im renommierten Friedrich-Pustet-Verlag vorgelegt hat.

Auf die Verkündigung des Apollos konnte der Apostel Paulus aufbauen, der bereits auf dem Rückweg von seiner 2. Missionsreise im Jahr 52 n. Chr. dort kurz Station gemacht hatte. Er erregte dort unter anderem den Unwillen der Devotionalienhändler, die um ihr gutes Geschäft mit der Göttin „Diana der Epheser“ fürchteten. Etwa ein Jahr später traf er erneut in Ephesos ein und blieb vermutlich drei Jahre, von denen er einige Zeit auch im Gefängnis verbringen musste. Während seiner Haft schrieb er jedenfalls die Briefe an die Philipper und an Philemon, vermutlich aber auch weitere. Ein wichtiges Schreiben richtete sich an die Epheser selbst, das der Hauptgegenstand der wissenschaftlichen Vorträge der Tagung war. Die christliche Gemeinde in Ephesus ist aber auch die Empfängerin des ersten Sendschreibens der Johannesapokalypse an die sieben Gemeinden in Kleinasien. Einer späteren, außerbiblischen Legende nach soll sich Maria nach der Himmelfahrt Jesu mit dem Kreis der Frauen um Jesus und mit dem Apostel Johannes in einem Haus in der Nähe von Ephesos niedergelassen haben und bis zu ihrer eigenen Himmelfahrt viele Menschen in der Lehre des Christentums unterrichtet haben. Johannes soll ebenfalls in Ephesos gestorben sein.

Seit weit über 100 Jahren forschen nun österreichische Wissenschaftler an diesem Ort, um seine Geschichte zu erhellen und Einblicke in die Sozialgeschichte der Gemeinde zu erschließen. Zwei der wichtigsten österreichischen Ephesus-Archäologen – Sabine Ladstätter, Direktorin des Österreichisch-Archäologischen Instituts und derzeit Ausgrabungsleiterin in Ephesus, sowie Peter Scherrer, Ordinarius für Archäologie und Vizerektor an der Uni Graz und ehem. stv. Ausgrabungsleiter, waren zu Gast in St. Pölten und referierten über den aktuellen Forschungs- und Wissensstand. Bekannte österreichische und deutsche Neutestamentler wie Martin Stowasser aus Wien, Stefan Schreiber aus Augsburg, Thomas Söding aus Bochum und Konrad Huber aus Mainz führten auf dieser Basis ihre Beiträge zur Paulusforschung aus. Die St. Pöltener Patrologin Hilda Steinhauer schloss den Spannungsbogen mit ihrem Ausblick auf die Bedeutung von Ephesus für die Konzilgeschichte der jungen Kirche. Der  Beitrag der Hochschule die diözesanen pastoralen Schwerpunkt „bibel.bewegt“ zog somit einen größeren Kreis durch den gesamten deutschsprachigen Raum. Die Beiträge der Tagung sind zur Publikation in der Schriftenreihe der Hochschule vorgesehen.