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Exkursion ins Stift Melk

Benediktinerstift Melk

St. Pölten, 31.08.2015 (dsp) Das Benediktinerstift Melk an der Donau, das barocke Wahrzeichen der Weltkulturerberegion Wachau, war die siebente und vorletzte Station der PTH/KBW-Exkursionsreihe in die Stifte der Diözese St. Pölten anlässlich des Jahres der Orden.

<--break->Der Babenberger Markgraf Leopold I. machte die Burg Melk nach 976 zu seiner Residenz und richtete wohl schon bereits damals eine Art Pfalzstift ein, das er wahrscheinlich mit Chorherren besiedelte. Leopolds Nachfolger Heinrich I., Adalbert und Ernst statteten es mit wertvollen Schätzen und Reliquien aus und Melk wurde zur bevorzugten Grablege der Babenberger. Markgraf Leopold II. übergab mehr als hundert Jahre später, im Jahr 1089, die gesamte Burg den Benediktinermönche aus Lambach, und seither leben und wirken hier bis heute in ununterbrochener Folge Mönche nach der Regel des Hl. Benedikt.

Doch bereits 1014 hatte Heinrich I., der Starke, die Gebeine des Hl. Koloman hierher überführen lassen, dessen moderne, lebensgroße Holzskulptur den heutigen Besucher im Torwartlhof begrüßt und dessen Schicksal uns vor dem Hintergrund der aktuellen Flüchtlingstragöden in Europa und auch in Österreich sowie der heftigen Diskussionen in den sozialen Medien an unser aller Verantwortung für Not leidende Menschen auf der Reise oder gar Flucht erinnert. Koloman soll ein irischer Königssohn gewesen sein, der auf einer Pilgerreise ins Heilige Land an der Donau entlang zog und bis nach Ostarrichi kam. Zu jener Zeit gab es Auseinandersetzungen zwischen dem deutschen König Heinrich II., dem die österreichischen Markgrafen loyal ergeben waren, und Herzog Bolesław I. Chrobry von Polen. Koloman wurde aufgrund seines fremdartigen Aussehens, seiner fremden Sprache und seines Andersseins für einen Spion gehalten und bei Stockerau festgenommen. Nach einem Martyrium wurde er zwischen zwei Mördern an einem dürren Holunderstrauch erhängt. Damit kommt ihm heute auch eine Funktion als kirchlichen Mahner gegen Fremdenfeindlichkeit zu. – Auch für die Schülerinnen und Schüler des Stiftsgymnasiums Melk, der ältesten noch bestehende Schule Österreichs, ist dieser Zusammenhang ein Thema in der bildnerischen Erziehung, deren außerordentliche Ergebnisse in der Stiftskirche als Billets aufgelegt sind.

Durch den Tag führte uns P. Gottfried Glaßner, der seit vielen Jahren auch Professor an unserer Hochschule ist. Schwerpunkt der vormittäglichen Führung waren das Stiftsmuseum und die Stiftsbibliothek, dessen Leiter ebenfalls P. Gottfried ist. Die Bibliothek beherbergt ca. 1800 Handschriften seit dem 9. Jahrhundert. Erst 1997 wurde ein Fragment einer Abschrift des Nibelungenliedes aus dem 13. Jahrhundert entdeckt. Dazu kommen 750 Inkunabeln. Insgesamt umfasst die Bibliothek rund 100.000 Bände. Die aktuelle Sonderausstellung der Bibliothek ist, so wie die Sonderausstellung in der Säulenhalle des Stifts, dem 650-Jahr-Jubiläum der Universität Wien gewidmet, zu der das Stift Melk durch den gesamten Zeitraum immer stets intensive Beziehungen unterhielt.

Auch den nachmittäglichen geistlichen Impuls lieferte P. Gottfried selbst mit einem Vortrag über die Regula des Hl. Benedikt und wählt dafür einen besonderen Zugang, der auf seinen jüngsten Forschungserträgen basiert. Sein wissenschaftlicher Vortrag handelte vom Hauptwerk des Melker Professen Bonifaz Gallner, seiner 1725 vollendeten und 1780 im Druck erschienenen „Regula emblematica“. Der Inhalt der Benediktsregel wird darin in 187 Emblembildern erschlossen und zugleich verdichtet und verschlüsselt. „Man ist in diesem Werk mit einer Herangehensweise an den Text konfrontiert, die von der Symbolwelt und den Ausdrucksformen des Barock geprägt ist, diese aber zugleich auf höchst innovative Weise verarbeitet,“ so P. Gottfried. „Nicht nur, dass hier zum ersten Mal der Versuch unternommen wird, den gesamten Text der Benediktsregel mit den in der Emblematik an die Hand gegebenen Ausdrucksformen aufzubereiten, der Melker Autor der Regula emblematica schafft mit diesem Werk gewissermaßen einen neuen künstlerischen Kosmos. Es geht um die Tiefendimension des Textes, die nur «geschaut» werden kann, indem dem Erfassen der Inhalte in Form der Embleme ein Stolperstein in den Weg gelegt wird, der einen allzu direkten und plakativen Zugang verwehrt, den Text gleichsam auf Distanz hält und zur Reflexion der hermeneutischen Voraussetzungen anregt.“ Der anregende und sicherlich auch fordernde Vortrag wird die Teilnehmer an unserer Exkursion sicherlich noch eine Zeit beschäftigen.

P. Gottfrieds entsprechender Aufsatz im Sammelband „Melk in der barocken Gelehrtenrepublik“ steht hier zur Nachlese zur Verfügung: Link zum Text.