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Exkursion ins Stift Göttweig

Benediktinerstift Göttweig

St. Pölten, 21.09.2015 (dsp) Das Benediktinerstift Göttweig war die letzte Station der sieben Monate währenden Reise der Studiengruppe der Philosophisch-Theologischen Hochschule und des Katholischen Bildungswerkes durch die acht Stifte der Diözese St. Pölten anlässlich des Jahres der Orden. Mit Abt Columban Luser, Prior P. Maximilian Krenn, Subprior P. Franz Schuster und P. Christian Gimbel sowie P. Johannes Paul Abrahamowicz sorgte sich gleichsam eine ganz Schar von Mönchen intensiv um die Bildung und Herzensbildung der Reisenden und Suchenden aus St. Pölten.

<--break->Wie in allen Stiften setzten wir uns zunächst mit dem Kloster als Monument sowie als gebaute Benedikt-Regel auseinander. In der Weltkulturerbe-Landschaft Wachau gelegen ruht es auf einem Hügel südlich der Donau am Ausläufer des Dunkelsteiner Waldes und aufgrund dieser besonderen Lage wird es auch als österreichisches Montecassino bezeichnet. Die Gründungsurkunde des hl. Bischof Altmann von Passau datiert vom 9. September 1083, die ersten Benediktiner kamen mit Abt Hartmann I. aus St. Blasien im Schwarzwald. Aus dieser frühen Zeit bzw. den gotischen Bauphasen sind heute nur wenige Reste erhalten. Nach dem Brand von 1718 wurde das Stift in seiner heutigen Form unter Abt Gottfried Bessel nach den Plänen von Johann Lucas von Hildebrandt neu errichtet, wenngleich nur etwa zwei Drittel des Bauplanes umgesetzt werden konnten. Das Stift wurde 1939 enteignet, der Konvent zunächst interniert und schließlich konfiniert, das Kloster u.a. als nationalsozialistische Erziehungsanstalt missbraucht. Nach dem Krieg war das Kloster schwer verwüstet und es drohte zeitweise mangels Eintritten und nach den zahlreichen Todesfällen die Aufhebung. In die Amtszeit von Abt Clemens Lashofer (1973–2009) fielen eine sukzessive Restaurierung des Stifts, die Einrichtung des Exerzitienhauses St. Altmann (1983) und die des Jugendhauses (1999).

Dem Stiftskonvent gehören heute etwa 40 Mönche an. Hauptaufgabe ist die Pfarrseelsorge vor allem in den 28 inkorporierten und einigen weiteren Pfarren sowie die kategoriale Seelsorge im Jugendhaus und im Exerzitienhaus des Stifts, in Schule, Krankenhaus und Gefängnis. Das viermal am Tag gefeierte Chorgebet ist öffentlich zugänglich und wird über den Tag wandernd im ehem. Kapitelsaal, der Abteikirche, der Hauptkrypta und der Altmanni-Krypta abgehalten; die Vesper wird an Sonn- und Feiertagen lateinisch im gregorianischen Choral gefeiert.

Das geistliche Gespräch unserer Studiengruppe mit P. Christian drehte sich ganz um das Thema Berufung und griff damit den roten Faden durch die vergangenen Monate des Lernens und Erfahrens auf. "Nimm mich auf, Herr, nach deinem Wort, und ich werde leben; und lass mich nicht scheitern in meiner Hoffnung", betet der Mönch bei der ewigen Profess. Das Annehmen, Gelingen und Scheitern von Berufung zum geistlichen Leben wie auch zur Ehe beschäftigte uns die zweite Tageshälfte. Die Kirche scheint mit dem Scheitern der Berufung zum Ordensleben und letztlich auch zum Priestertum über die Jahrhunderte hinweg einen nachhaltigeren Umgang gefunden zu haben, als mit dem Scheitern der Berufung zur Ehe und es stellt sich die Frage, was wir von der einen Art der Berufung für die andere lernen können. Doch genauso wichtig ist das Gelingen von Berufung. Und wenn auch gerade in Göttweig in den vergangenen zehn Jahren kein Neueintritt mehr zu verzeichnen war – wobei im kommenden Jahr einer voraussichtlich ansteht – so zeichnet sich trotz des Stichworts „Priestermangel“ gerade in den niederösterreichischen Stiften ein erfreulicher Anstieg von Berufungen zum Ordensleben ab.

„Die Kooperation der PTH und des KBW für die Exkursionsreihe «Leben in Klöstern heute» hat sich als sehr fruchtbar erwiesen", meint Gerald Danner, Leiter des Katholischen Bildungswerkes der Diözese St. Pölten zum Abschluss des ersten Semesters dieses Projekts. „Zahlreiche Interessierte vor allem aus dem Bereich der pfarrlichen Bildungswerke konnten dafür gewonnen werden. Wir freuen uns auf eine Fortsetzung der Kooperation,“ so Danner. „Das erneuerte Konzept der Kurse der PTH als akademisch-theologische Erwachsenenbildung auf Hochschulniveau ist für unsere beiden diözesanen Bildungseinrichtungen, die Hochschule und das Bildungswerk, eine Gelegenheit, über die Durchlässigkeit der Bildungswege grundsätzlich neu nachzudenken,“ führt Prof. Friedrich Schipper, Koordinator des aktuellen Kurses zum Jahr der Orden aus. „Der Fortsetzung unseres aktuellen Angebots «Leben in Klöstern heute» mit Exkursionen zu den Frauengemeinschaften unserer Diözese sehen wir mit Spannung entgegen. Die Oberinnen der verschiedenen Gemeinschaften haben sich in die Vorbereitungen sehr aktiv eingebracht und alle sehen mit Freude dem Programm im kommenden Wintersemester entgegen.“