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Ethik: "Die Wirtschaft ist für die Menschen da"

St. Pölten, 05.11.2015 (dsp) „Die Wirtschaft ist für den Menschen da, und nicht der Mensch für die Wirtschaft,“ formulierte der Heiligenkreuzer Altabt Gregor Henckel-Donnersmarck in Anlehnung an das berühmte Jesus-Wort vom Sabbat bei der Veranstaltung „Wirtschaftskrise – Wirtschaftsethik in der Krise?“ im Sommerrefektorium des Bistumsgebäudes.

Anlässlich des Weltspartags organisierte die Philosophisch-Theologische Hochschule gemeinsam mit den NÖN eine Podiumsdiskussion mit Prominenz aus Kirche, Wirtschaft und Politik zum Thema „Wirtschaftsethik“. Die Veranstaltung war auch ein Pilotprojekt der Hochschule für eine künftige intensivere Beschäftigung mit wirtschaftethischen Fragen aus christlich-kirchlicher Perspektive. Veranstaltungspartner waren das Katholische Bildungswerk und die Katholische Aktion der Diözese St. Pölten.

Das Impulsreferat hielt Nikolai de Arnoldi, Vorstandsmitglied der Nypo NÖ Gruppe und eine der zentralen Personen in der niederösterreichischen Bankwirtschaft. „Eine Bank ist der Entwicklungsbooster für Unternehmen, Private und dem öffentlichen Sektor. Durch Kredite, Absicherungsinstrumente und das internationale Netzwerk können Geschäfte sicherer und leichter durchführbar gemacht werden“, sagte De Arnoldi. „Ethische Grundsätze im Bankwesen zu beachten heißt nicht, grundsätzlich Bankgeschäfte zu verneinen. Es ist aber eine besondere Aufgabe den ethischen Nachhaltigkeitsgedanken in jede einzelne Transaktion und Geschäftsbeziehung einfließen zu lassen. Zu beachten ist aber, dass Ethik mit Nachhaltigkeit nicht gleichzusetzen ist.“ Es sei unethisches Handeln von einige „Raubritter-Kapitalisten“ gewesen, das die Bankenkrise und damit die Wirtschaftskrise überhaupt erst ausgelost habe, so de Arnoldi. Die richtige Antwort: „Verspreche als Manager nichts, was Du nicht halten kannst.“ Und: „Hält man sich als Manager bzw. Unternehmer an strikte ethische Regeln, so ist auch der Erfolg ein nachhaltiger.

“Dem pflichtete auch Gregor Henckel Donnersmarck bei, der als ehemaliger Manager der Speditionsfirma Schenker als einer der gefragtesten Experten zu Wirtschaftsthemen in der katholische Kirche Österreichs gilt. Seine Bücher „Reich werden auf die gute Art“ oder „ora @ labora“ sind Bestseller. Henckel Donnersmarck ist der Überzeugung, dass hinter jedem Transaktion eine zu verantwortende Entscheidung eines Unternehmers stehen müsse. Das schließe z.B. folglich auch den Hochfrequenzhandel mit Finanzprodukten a priori aus. Henckel Donnersmarck betonte, dass das Streben nach wirtschaftlichem Gewinn nicht per se etwas Schlechtes sei. Aber jene, die Gewinne lukrieren, müssten mit ihren Vermögen verantwortungsvoll umgeben – denn Vermögen kommt von „etwas vermögen“.

Werner Kogler, stv. Klubobmann und stv. Bundessprecher der Grünen, ist studierter Volkswirt und Jurist und verfolgte in seiner Zeit als Wissenschaftler einen fachlichen Schwerpunkt in theoretischer und angewandter Umweltökonomie. Als Europa- und Finanzsprecher seiner Partei gilt er als einer der schärfsten Kritiker des derzeitigen Wirtschafts- und Finanzsystems. Als Grüner Fraktionschef im parlamentarischen U-Ausschuss zur Hypo-Alpe-Adria stellte er jedoch fest, dass das, was dort passiert ist, nur mehr wenig mit den herkömmlichen Krisen in Finanzunternehmen zu tun habe. „Das war nicht nur Gier oder ein Fehlen von ethischen Grundsätzen,“ meinte Kogler, „sondern eine einzigartige Konstellation von politischen Größenwahn, völliger Verantwortungslosigkeit und mafiös-krimineller Machenschaften sowie den Versagen sämtlicher Kontrollmechanismen.“

Der Niederösterreicher Anton Burger, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Unternehmensrechnung an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt in Deutschland, studierte nicht nur Betriebswirtschaftslehre, sondern auch Rechtswissenschaften und Katholische Theologie und beschäftigt sich seit Jahren wissenschaftlich mit Themen der Wirtschafts- und Unternehmensethik. Burger zog eine Linie von den großen Skandalen der vergangenen Jahren hin zu den aktuellen rund um Deutsche Bank und VW. Dabei wies er darauf hin, dass es letztlich auch in der Hand der Gesellschaft, konkret der Kunden liege, ob Wirtschaftsunternehmen für unethisches Handeln bestraft würden, indem sie zu anderen Anbietern wechseln.

Foto: NÖN/Beate Steiner