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Blasphemie! – Blasphemie?

Plakat Blasphemie

St. Pölten, 27.03.2015 (dsp) Eine hochkarätig besetzte Diskussionsveranstaltung zum Thema „Blasphemie“ veranstaltet die Philosophisch-Theologische Hochschule St. Pölten am 17. April um 16 Uhr im Sommerrefektorium des Bistumsgebäudes. Prominente Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Podium sind unter anderen die frühere Justizministerin Beatrix Karl, die Juristin Psychotherapeutin und Theologin Rotraud Perner, die israelisch-österreichische Künstlerin Timna Brauer, der Direktor des NÖ Landesmuseum Carl Aigner und der irakische Filmemacher und Journalist Amer Al-Bajati. Von Justizminister Wolfgang Brandstetter wird ein Videostatement eingespielt. Moderiert wird die Veranstaltung von Martin Gebhard, Chefredakteur der Niederösterreichischen Nachrichten.

Die Kontroversen um das Thema der Blasphemie erheben sich in der Öffentlichkeit immer häufiger, wenn provozierende Darstellungen von Religion und religiöse Wertvorstellungen aufeinanderprallen. Zuletzt lösten die Ereignisse um die französische Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ eine hitzige Debatte aus. In Österreich wird zurzeit über die Berechtigung des § 188 StGB (Herabwürdigung religiöser Lehren) diskutiert.
„Was die verschiedenen Religionen selbst unter Gotteslästerung verstehen und wie sie diese sanktionieren, kann sehr unterschiedlich sein“, erklärt Theologe und Jurist Burkhard Berkmann, der das Impulsreferat zur Veranstaltung hält. „Das zeigt schon ein Blick in die internen Rechtsordnungen christlicher, jüdischer und islamischer Gemeinschaften. Zum Beispiel wird im Islam die Beleidigung Muhammads für schlimmer gehalten als die Beleidigung Gottes.“

In den staatlichen Rechtsordnungen der westlichen Welt kommt Gotteslästerung im engen Sinn nicht mehr als Strafdelikt vor. Es gibt jedoch andere Straftatbestände, die Religionen und deren Angehörige vor Diffamierung schützen sollen. Derartige Regelungen waren wiederholt Gegenstand von Grundrechtsbeschwerden vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.
„Um einen Eingriff in das Grundrecht zu rechtfertigen, bedarf es besonderer Gründe“, betont Berkmann und fragt: „Kann der Religionsfriede ein solcher Grund sein? Er stellt in einer religiös-weltanschaulich bunten Welt zweifellos ein wichtiges Gut dar.“ Nach einer Resolution der UN-Menschenrechtskommission sei jedenfalls die Diffamierung von Religionen in einer globalisierten Welt mit der Förderung von internationalem Frieden und Sicherheit unvereinbar.

Alle Diskussionsteilnehmer:
Prof. Dr. Beatrix Karl, Justizministerin a.D. Abg.NR
Prof. Dr. Rotraud Perner, Juristin, Psychotherapeutin, Pädagogin und Theologin
Timna Brauer, israelisch-jemenitisch-österreichische Künstlerin
Dr. Carl Aigner, Direktor des NÖ Landesmuseums
Prof. Dr. Alfred Noll, Menschrechtsanwalt
Dr. Amer Al-Bayati irakischer Film- und Theaterwissenschaftler, Filmemacher, Journalist und Präsident der Initiative liberaler Muslime in Österreich
Prof. Dr. Ludger Müller, Theologe, Philosoph und Kanonist an der Universität Wien
Dr. Eduard Habsburg-Lothringen, Philosoph, Journalist, Drehbuchautor und ehem. bischöfl. Medienreferent