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Berufung im Film wie im Leben

St. Pölten, 28.10.2014 (dsp) Die Philosophisch-Theologische Hochschule und das Katholische Bildungswerk der Diözese St. Pölten fanden zu einem Kooperationsprojekt der besonderen Art zusammen. Im Programmkino „Cinema Paradiso“ stand das Thema „Berufung“ aus den Perspektiven der Theologie, der Psychologie und der Pädagogik sowie der persönlichen Erfahrung zur Debatte. Der Vorführung des Spielfilms „Schwestern“ (2013) der deutschen Regisseurin und Drehbuchautorin Anne Wild folgte eine Podiums- und Publikumsdiskussion.

Der Film handelt im Stil einer „Dramödie“ von einer Familie, deren jüngste Tochter sich einem katholischen Orden angeschlossen hat. An einem flirrenden Sommertag treffen die Mitglieder der Familie Kerkhoff ausgerechnet in der Abgeschiedenheit eines Klosters nach Jahren wieder aufeinander. Eine Familienfeier der besonderen Art steht an. Kati, die jüngste Tochter, hat sich entschlossen, ihre Familie und ihr „normales“ Leben zu verlassen, um einem Orden beizutreten. Angeführt von der ältesten Schwester Saskia, die mit Ende dreißig immer noch nicht weiß, wohin ihr schillerndes Leben eigentlich führen soll, eskaliert der Nachmittag im spätsommerlichen Klostergelände. Liegt es am Wein, an der Hitze oder dem hellen schwäbischen Barock? Plötzlich steht die Zeit still. Es passieren Dinge, die alle Beteiligten daran zweifeln lassen, dass ihr eigenes Leben die ganze Wirklichkeit umfasst.

Persönliche Erfahrungen mit Berufung

Sr. Michaela Gehart von den Franziskanerinnen Missionarinnen Mariens ist gleichsam doppelt betroffen, hat sie nicht nur selbst auch eine durchaus konfliktreichen Lösungsprozess von der Familie durchlebt und davon sehr offen berichtet, sondern sie ist auch Mitglied des Leitung des Hauses Gennesaret, einer Einrichtung der Diözese St. Pölten im Stift Seitenstetten, ein Ort, wo Jugendliche und Erwachsene sich mit geistlicher Begleitung auf die Suche nach ihrer Berufung begeben können. Ihre Erfahrung im jahrelang andauernden und schwierigen Loslösungsprozess von den Eltern, vor allem vom Vater, gibt sie heute an jüngere Schwestern weiter: den Konflikt nicht scheuen, den Kontakt zur Familie nie abreißen lassen, nie aufgeben.

Die bekannte Juristin und Psychotherapeutin Rotraud Perner blickte ebenfalls auf die Geschichte ihrer eigenen Spät-Berufung zurück, die sie zum Theologiestudium führte, wofür auch sie sich in ihrem Umfeld rechtfertigen musste. Sie reflektierte auf ihre aktuelle Tätigkeit als evangelische Seelsorgerin, Predigerin und angehende Pfarrerin. „Im Leben geht es um die Berufung jedes einzelnen Menschen“, sagte sie mit Blick auf die vielen Fragen der Familie im Film. Es gehe darum, „die eigene Berufung zu leben“, welche das auch immer sei.

Aus seiner Erfahrung als betroffener Vater schilderte Wilhelm König den innerfamiliären Prozess, den der Gang seiner Tochter ins Kloster auslöste. Am Anfang stand die Überraschung, dann ein gewisser Pragmatismus im Umgang der Situation, Fragen kamen erst später auf. Heute lernen Eltern (die Mutter saß im Publikum) und das Kind gegenseitig voneinander.

Der Pädagoge Bernhard Schörkhuber (PTH St. Pölten und KPH Krems) führte die Schlüsselszenen im Film mit seinen vielen und vielschichtigen Symboliken und die persönlichen Erfahrungsberichte der Podiumsteilnehmer mehrfach zusammen. Letztlich geht es im Film wie im Leben um Berufung im Sinn der Selbstfindung („Ich bin ich, ich kann ich sein.“) und um das zwischenmenschliche Verstehen: im Film szenisch erfasst durch das Aufeinandertreffen der beiden Schwestern Saskia und Kati im Kreuzgang des Klosters, in dem auf eine Protestrede der älteren Schwester der Konflikt im Verstehen der beiden Schwestern mündet, das im miteinander Schweigen gipfelt.