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Jeder Getaufte bringt das Heil Christi in die Welt

Dr. Hubert-Philipp Weber

St. Pölten, 29.11.2013 (dsp) Es sei Grundauftrag der Kirche, in der Welt zu wirken und das Heil Jesu Christi allen Menschen zu bringen. Dieser Auftrag beginne jedoch bei der Erneuerung des Glaubens jedes Einzelnen und werde von allen Getauften deren Lebenszeugnis und Verkündigung getragen. Das war der Tenor eines Studientages zur Neuevangelisierung der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Pölten mit dem Titel „Die Stimme Gottes hörbar machen“. Wie Rektor Reinhard Knittel betonte, sollte der Studientag auch zeigen, dass an der Hochschule „nicht bloß Schreibtischtheologie betreiben“ werde, sondern diese sich „der neuen Evangelisierung verpflichtet weiß, damit der Glaube auch in einer zunehmend christenfeindlichen Umgebung Zukunft hat“.

Auf das aktuelle Lehrschreiben „Evangelii gaudium“ von Papst Franziskus ging der Wiener Dogmatiker Hubert-Philipp Weber in seinem Vortrag „Die Kirche ist zu den Menschen gesandt“ ein. Der Papst stelle darin eine „individualistische Traurigkeit“ als Folge der Wohlstandsgesellschaft fest. Auch in der Kirche gebe es eine zunehmende „Traurigkeit“ über bestimmte Zustände, die jedoch jede Erneuerung blockiere, so Weber. Die Erneuerung des Glaubens erfordere daher zunächst die eigene Evangelisierung. Glaube beginne nach Papst Franziskus damit, „dass ich selbst von Gott angesprochen bin“. Sich daran zu erinnern, sei Voraussetzung der Evangelisierung. Weiters dürfe nicht vergessen werden, dass „das eigentliche Subjekt der Evangelisierung“ Jesus Christus sei: „Er ist es, der handelt“, wie Webe betonte. Wenn Christen die Freude am Evangelium verbreiten, geschehe die Evangelisierung von selbst. Wenn diese Freude nicht vorhanden ist, sei hingegen jede Bemühung umsonst.

Die Kirche sei nicht nur ein Verein von Leuten mit gemeinsamen Interessen, sondern Stiftung Christi gewirkt durch den Hl. Geist, führte Weber zum Konzildokument „Lumen gentium“ aus. Jesus Christus handle durch die Kirche an der ganzen Welt. Leider entstehe oft der Eindruck, dass eine Gottesdienstgemeinde „gern unter sich bleibt“, kritisierte Weber: „Eucharistie wird jedoch immer von der ganzen Kirche gefeiert. Am Ende werden die Gläubigen in die Welt hinaus gesandt, die Eucharistie strömt in die Welt hinaus.“ Durch das gemeinsame Priestertum und auch Prophetentum mit Christus seien alle Getauften zum Zeugnis berufen, wie Weber ausführte, und durch den „Glaubenssinn“ und die „Gnade des Wortes“ auch dazu befähigt. Dafür sei nach „Lumen gentium“ eine entsprechende Ausbildung der Gläubigen notwendig.

Nach dem Missionsdekret „Ad gentes“ betreibe die Kirche nicht Mission, „sondern sie ist Mission“, erklärte Weber. Die Aufgabe, zu den Menschen zu gehen und das Evangelium zu verkünden, sei Handeln Gottes in der Welt. Dadurch sei die ganze Kirche missionarisch und Mission „Grundpflicht des Gottesvolkes“. Konkreter Auftrag des Konzils sei, dass Mission zuerst „Verkündigung durch das Leben“ sei. Weber: „Verkündigung ist Tun Christi, der uns in sein Prophetisches Amt mit hineinnimmt.“

Kirche soll Menschen aus „Dämmerschlaf“ rütteln

Die Kirche habe Antworten auf die Fragen und die Bedürfnisse der Menschen von heute. Sie solle sich wieder „mutig hörbar machen“, um dem Zeitgeist des Relativismus das christliche Menschenbild entgegenzusetzen. Das sagte der Wirtschafts- und Sozialethiker Elmar Nass von der Wilhelm Löhe Hochschule (Fürth, Bayern) in seinem Referat beim Studientag.

„Wir müssen die Menschen aus ihrem Dämmerschlaf rütteln und darauf aufmerksam machen, welches Menschenbild heute an Einfluss gewinnt, welche Wurzeln und welche Konsequenzen es hat“, ermutigte Nass die Kirche zu einer deutlicheren Positionierung. „Wenn wir den Menschen klar machen können, wohin der Zug fährt, können wir zu Koalitionen mit Menschen guten Willens kommen.“ So müsse die Kirche eine „Speerspitze“ für die unantastbare Würde des Menschen sein und dem Relativismus entgegentreten.

Nass nannte die Gefahr eines „neuen Klassenkampfes“, der für den christliche Glauben „nicht tolerierbar“ sei: „Wir kommen dahin, dass den Menschen ihre Würde zu- oder abgesprochen wird.“ Eine weitere Gefahr sah Nass im „normativen Individualismus“, wenn das ökonomische Denken zur Ethik erhoben werde und der Mensch – wie Papst Franziskus schreibe – „nur noch zum Abfall wird“ . Das gefährliche Denken dahinter sei, dass auch hier die menschliche Würde relativiert werde: Der Mensch sei nur etwas wert, wenn er von Nutzen ist. Ein weiteres solches Thema, das die Kirche offensiver aufgreifen solle, wäre nach Nass der Lebensschutz vom Anfang bis zum Ende: „Die Menschen spüren in ihrem Herzen, dass das eigentlich so richtig ist; wir müssen sie nur aufwecken.“

Dazu brauche es in der Kirche mutige Menschen , die „den Rucksack, den wir haben, nicht nur als Last empfinden, sondern als Schatz“, so Nass. Es gelte, „unser Proprium zu öffnen“ und zu anderen Menschen, Konfessionen und Religionen zu bringen. „Wir haben die Verantwortung zu dem zu stehen, was unser Glauben ist.“ Es werde auch von anderen wertgeschätzt, wenn Christen sich nicht verstecken und entschuldigen, sondern zu dem stehen, was sie glauben.