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Für die Verkündigung „klein und verletzlich“ werden

Sr. Ruth Pucher, Prof. Dr. Veit Neumann, P. Mag. Johannes Paul Chavanne, Mag. Andreas Theurer, Mag. Otto Neubauer

St. Pölten, 29.11.2013 (dsp) „Wir können nicht von oben her, vom Balkon aus verkünden, sondern müssen klein werden und uns aussetzen“, betonte der Theologe Otto Neubauer von der Gemeinschaft Emmanuel bei einem Podiumsgespräch im Rahmen des Studientags für Neuevangelisierung im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten. Weitere Teilnehmer an dem Gespräch waren Andreas Theurer vom Institut für Evangelisierung und Gemeindeaufbau der Diözese Augsburg, die Kunstgeschichtlerin Sr. Ruth Pucher von den Missionarinnen Christi und P. Johannes Paul Chavanne vom Zisterzienserstift Heiligenkreuz.

Der Schritt von Gläubigen „in die Gesellschaft, auf die Straße in das normale Leben hinein destabilisiert und verunsichert“, wie Neubauer aus zahlreichen eigenen Erfahrungen erzählte. Dies sei jedoch die „Bedingung, überhaupt missionarisch zu werden“. Schon im Christus-Hymnus im Philipperbrief heiße es, das „Jesus sich entäußerte und hinuntergestiegen“ ist. Das Herz der Gläubigen müsse zugänglich werden, damit sie den Menschen begegnen und sie verstehen können. „Zugänglich werden heißt, dem anderen nicht nur etwas hinzuwerfen, sondern hinunterzusteigen und für den anderen verletzlich zu werden“, so Neubauer.

Die sichtbaren Erosionserscheinungen im Glauben führten zu einer depressiven Grundstimmung, stellte Andreas Theurer von der Diözese Augsburg fest. „Dieser setzen wir einen geistlich motivierten Optimismus entgegen“. Institut für Evangelisierung und Gemeindeaufbau wolle Menschen motivieren, für sich das Ziel ihres Glaubens und ihres Lebens neu ins Auge zu fassen. Dabei sei es wichtig, den eigenen Glauben zu vertiefen und besser kennen zu lernen, um selbst auskunftsfähig zu werden. Auch gelte es zu lernen, über den Glauben zu sprechen. „Das ist keine Aufgabe nur für Spezialisten.“ Jeder Christ müsse „ein Bewusstsein entwickeln für die Sendung, die Christus uns aufgetragen hat.“ Und dann danach entsprechend leben, denn „unsere Handlung spricht mehr als tausend Worte“.

Da die Evangelisierung der Grundauftrag der Kirche ist, seien „alle Getauften aufgerufen, berechtigt und verpflichtet“ an der Verkündigung des Evangeliums mitzuwirken, sagte P. Johannes Paul Chavanne vom Stift Heiligenkreuz. Das Evangelium hab immer dann eine fruchtbare Phase in der Verkündigung gehabt, „wenn man es begonnen hat zu leben, nicht wenn die Strukturen gepasst haben oder eine äußere Macht dahinter gestanden ist.“ Verkündigung sei keine Weitergabe von Wissen, sondern – besonders für die Klöster – die Möglichkeit eine Lebensform kennen zu lernen und erleben zu können. Jedes Kloster sei „ein Zeugnis, dass es Gott wirklich gibt und dass er keine Nebensächlichkeit ist“, so Chavanne. Klöster seien dadurch Schulen, die eine Begegnung mit Gott ermöglichen können. Dabei sei es wichtig, nicht nur über Gott zu reden, sondern zu einer Beziehung mit ihm führen.

Sr. Ruth Pucher beschrieb ihre Kirchenführungen „Ordentliches Wien“ als eine Möglichkeit, den Glauben „anzubieten“, „eine Kostprobe, die jeder ausprobieren kann“. Kirchenräume seien an sich schon ein Kunstwerk und beinhalteten Kunstwerke, die zur Ehre Gottes gefertigt wurden. „Schönheit ist auch ein Name Gottes, und durch die Schönheit kann ich auch etwas von Gott erahnen“, so Pucher, die sich als „Vermittlerin dieser Schönheit“ verstehe. Kirchenräume würden auch Stille anbieten. Die Stille werde dabei selber zur Akteurin, nehme den Besucher auf und helfe ihm, selber still zu werden. Schließlich helfe ein Kirchenraum sich zu orientieren. „Gleichzeitig werde ich eingeladen, mich im Gebet auszurichten.“