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Studiengang "Ehe und Familie"

Ehe und Familie bilden die Grundlage und die Lebenszelle der Gesellschaft. Allerdings sind die Institution der Ehe und die Lebensform der Familie seit geraumer Zeit in die Krise geraten. Dies kann nicht ohne negative Auswirkungen auf die Gesellschaft bleiben. Ein an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Pölten eingerichteter Zusatzstudiengang soll diejenigen Antworten aufbereiten und vermitteln, die die Lehre der Katholischen Kirche auf Fragen bezüglich Ehe und Familie anzubieten hat.

Folder Studiengang "Ehe und Familie"

Lehrveranstaltungen von "Ehe und Familie":

Seminar von Prof. Dr. Clemens Breuer (mit Terminliste) im Wintersemester 2017.

 

Zusatzstudiengang "Theologie der Ehe und Familie"

Eine Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit

von Thomas Heinrich Stark

Die Familienpastoral ist das wahrscheinlich wichtigste Feld der Pastoral in unserer Zeit. Hierfür lassen sich zwei Gründe namhaft machen. Zum einen nämlich ist die Familie die wichtigste Basis und Keimzelle nicht nur der Kirche, sondern der Gesellschaft im ganzen; zum anderen aber ist die Institution der Ehe und der auf sie gegründeten Familie in unserer Zeit vielfältigen und z.T. neuartigen Problemen ausgesetzt. 

Wir befinden uns in einer paradoxen Situation: Einerseits sehnen sich nach wie vor sehr viele, insbesondere auch junge Menschen nach einem Leben in der Familie. Andererseits ist ein zunehmendes Scheitern von Ehen und das Auseinanderbrechen von Familien zu verzeichnen – offenbar gegen die eigentlichen Wünsche und Sehnsüchte der Betroffenen. Dies ist indes kein Zufall. Unterschiedliche Entwicklungen in der modernen Gesellschaft haben – vorsichtig formuliert – nicht gerade zur Entwicklung oder Aufrechterhaltung eines ehe- und familienfreundlichen Klimas in der industrialisierten Welt beigetragen. 

Der Wegfall der gesellschaftlichen Stützen für Ehe und Familie

Insbesondere sind die äußeren Stützen des Ehe- und Familienlebens zunehmend weggebrochen. Immer mehr Familien sind auf sich selbst gestellt und müssen alleine zusehen, wie sie "klarkommen". Nicht nur die Großfamilien, die in der Vergangenheit einen gewissen Halt zu geben vermochten, lösen sich immer mehr auf. Junge Menschen treffen auch sonst immer seltener auf Beispiele geglückten Familienlebens. Die schwieriger werdende wirtschaftliche Situation und die wirtschaftliche Benachteiligung von Familien tun ein übriges dazu, den Mut zur Ehe und zur Erziehung von Kindern schwinden zu lassen. Auch sollte ein falsches Verständnis von Freiheit und Selbstbestimmung nicht verschwiegen werden, das eine zunehmende Bindungsunwilligkeit zur Folge hat. Aber nicht nur Bindungsunwilligkeit, sondern auch Bindungsangst und daraus resultierende Bindungsunfähigkeit greifen immer weiter um sich. 

Einen weiteren Hauptgrund für den Rückgang der Eheschließungen bildet eine allgemeinverbreitete Verwirrung im Menschenbild, der zufolge jeder sich selbst und sein Leben nach Belieben entwerfen kann. Diese Verwirrung betrifft auch das menschliche Zusammenleben. So stellen Ehe und Familie in den Augen vieler längst nicht mehr die normale und selbstverständliche Lebensform dar. Zahlreiche andere Lebenskonzepte sind in unserer zunehmend pluralistischer werdenden Gesellschaft auf den Plan getreten und lassen Ehe und Familie lediglich als ein mögliches (oder gar unmögliches) Konzept neben anderen erscheinen. 

Die kirchliche Lehre von der menschlichen Natur

Demgegenüber hat die Kirche stets gelehrt, daß der Mensch sein Leben nicht in beliebiger Weise entwerfen kann. Diese christliche Grundwahrheit bekräftigte auch Bischof Klaus Küng, als er in seiner Predigt anläßlich der Niederösterreichischen Juristenmesse im Herbst 2005 formulierte: "Es gab und gibt eine Vielfalt von Meinungen. Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft, die eine Orientierung schwer macht und dazu verführt, insbesondere religiöse Aussagen zu relativieren und die Werte nach demokratischen Gesichtspunkten zu betrachten, so als ob sie durch Mehrheiten bestimmbar wären. Das Herz und der Verstand  sagen uns jedoch, daß es nicht so ist. Es gibt Gesetzmäßigkeiten, die in der Natur des Menschen, in den inneren und äußeren Anordnungen der Welt verankert sind unabhängig davon, ob der Mensch glaubt oder nicht glaubt, sie für wahr oder nicht für wahr hält, sie beachtet oder ignoriert." 

Für manche mögen solche Äußerungen anstößig klingen, scheinen sie doch den Menschen gegen seine Freiheit und seine Vernunft auf etwas Bestimmtes festlegen zu wollen. Aber das genaue Gegenteil ist der Fall. In seiner vielbeachteten Regensburger Vorlesung hat Papst Benedikt XVI. den Schwerpunkt auf die Feststellung gelegt, daß Gott kein Willkür-Gott ist. Gott ist vielmehr der Logos, d.h. Gott ist Vernunft und zwar eine Vernunft, die sich ausspricht. Und dieser Logos, diese sich aussprechende Vernunft, steht, so das Johannes-Evangelium, am Anfang aller Dinge. Am Anfang war das Wort – der Logos. Diese sich aussprechende Vernunft Gottes durchwaltet die gesamte Schöpfung, formt und ordnet sie. Und auch die Vernunft des Menschen hat Gott nach dem Bild seiner göttlichen Vernunft geschaffen, damit der Mensch Gott verstehen kann, wenn Gott ihn anspricht, und damit der Mensch die göttliche Vernunft in der Schöpfungsordnung erkennt, durch die Gott auch zum Menschen spricht. 

Die geschöpfliche Natur des Menschen ist also in die Schöpfungsordnung gestellt. Darum ist der Mensch an Gesetzmäßigkeiten gebunden, die seinem Wesen entsprechen und daher sein Leben leiten sollen. Diese Gesetzmäßigkeiten sind nicht willkürlich, sondern sie entspringen der göttlichen Vernunft. Und der Mensch kann die Vernünftigkeit dieser Gesetzmäßigkeiten erkennen, weil seine eigene Vernunft der göttlichen Vernunft nachgebildet ist. Daher ist der Mensch in seiner Freiheit herausgefordert, den vernünftigen Gesetzen Gottes zu folgen, um so zu seiner eigentlichen Bestimmung zu gelangen. Dies sind die Zusammenhänge, auf die unser Bischof und der Papst gleichermaßen hinweisen. 

Die Familie als "Grund und Lebenszelle der Gesellschaft"

Weil der Mensch seine Lebensform zwar frei, aber nicht willkürlich wählen kann, ohne dabei Schaden zu nehmen, lehrt das Zweite Vatikanische Konzil: "Die Familie empfing von Gott die Sendung, Grund und Lebenszelle der Gesellschaft zu sein. Diese Sendung wird sie erfüllen, wenn sie sich in gegenseitiger Liebe ihrer Glieder und in gemeinsamen Gebeten vor Gott als häusliches Heiligtum erweist." Damit ist ein Doppeltes ausgesagt: Gemäß der Schöpfungsordnung ist die Familie zum einen die Basis jeder Gesellschaft. Eine Gesellschaft, der diese Basis wegbricht, kann folglich keinen dauerhaften Bestand haben. Zum anderen ist die Familie ihrem Wesen nach zugleich "Hauskirche". Das gedeihliche Leben der Familie ist also nach der Aussage des Konzils daran gebunden, daß die Familie sich als Hauskirche begreift und ihr Leben danach einreichtet. Die sich als Hauskirche begreifende christliche Familie kann daher auch am besten die Funktion erfüllen, Grund und Lebenszelle der Gesellschaft, also die Basis unseres Gemeinwesens zu sein. 

Was die Kirche tut und lehrt, hat also auch eine eminente gesamtgesellschaftliche Bedeutung. Die gesellschaftlichen und sozialen Probleme, die sich aus dem allmählichen Schwinden des christlichen, auf Liebe, Treue und Solidarität gegründeten Lebensmodells ergeben, sind hinlänglich bekannt und sollen daher hier nicht wiederholt werden. Mehr noch als die Gesellschaft im ganzen aber bedarf das kirchliche Leben der intakten Familie, weil hier die christlichen Tugenden eingeübt und die Berufungen geweckt werden.   

Verstärkte Anstrengungen sind nötig

Die Konsequenzen aus all dem hat Johannes Paul II. in "Familiaris Consortio" in aller Klarheit und Eindringlichkeit formuliert, indem er schreibt: "Jede Anstrengung muß unternommen werden, damit sich die Familienpastoral durchsetzt und entfaltet; widmet sie sich doch einem wirklich vorrangigen <Ziel> in der Gewißheit, daß die Evangelisierung in Zukunft großenteils von der Hauskirche abhängen wird." Vieles ist in dieser Richtung bereits unternommen worden, vieles aber harrt auch noch der Verwirklichung. 

Vor allem ein Feld wird in der Zukunft verstärkt beackert werden müssen, nämlich das der Wissensvermittlung. In der modernen Gesellschaft hat die Glaubensvermittlung immer weniger die Form der einfachen Traditionsweitergabe. Statt dessen spielt die Plausibilisierung eine immer bedeutendere Rolle. Angesichts der Pluralität der Meinungen kann sich die katholische Kirche nur Gehör verschaffen, wenn sie die Vernünftigkeit ihrer Lehre begründet und vermittelt. Aber in der Vernünftigkeit liegt – wie Papst Benedikt XVI. in Regensburg markant herausgearbeitet hat – auch gerade die Stärke des christlichen Glaubens. Daher bedarf es der vermehrten Bereitstellung von Bildungsangeboten, damit immer mehr Christen – theologische Fachleute wie Nicht-Fachleute – dazu in die Lage versetzt werden, in den vielfältigen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen die Vernünftigkeit der katholischen Lehre wirkungsvoll plausibel zu machen. Am Arbeitsplatz, im Bekanntenkreis oder bei zufällig sich ergebenden Gesprächen kommt man immer wieder in die Situation, seinen Glauben erläutern und begründen zu müssen. Darauf sollte man vorbereitet sein. Wir müssen unser Glaubenswissen stärken, um selber fest im Glauben zu stehen und anderen mit vernünftigen Argumenten von diesem Glauben Zeugnis geben zu können. 

Der Zusatzstudiengang "Theologie der Ehe und Familie"

In diesem Zusammenhang kommt dem Thema Familie eine besondere Bedeutung zu. Die christliche Familie sollte im Zentrum der pastoralen Bemühungen der Kirche stehen. Daher die Philosophisch-Theologische Hochschule einen Zusatzstudiengang "Theologie der Ehe und Familie" ins Leben gerufen. Während an der genauen Konzeption dieses Studiengangs noch gearbeitet wird, ist der Lehrbetrieb bereits partiell im Gange. So bietet Prof. Dr. Clemens Breuer auch in diesem Semester – wie bereits in den beiden vorangegangenen Semestern – Blockveranstaltungen zum Thema "Theologie der Ehe und Familie" an. Weiters wir in diesem Semester auch Prof. Dr. Michael Waldstein Blockveranstaltungen zum Thema "Die biblischen Grundlagen der christlichen Familienlehre" anbieten. Für die Zukunft sind weitere Veranstaltungen aus den Bereichen der Systematischen Theologie, der philosophischen Anthropologie und der Sozialwissenschaften geplant.