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Theologie im Kontext von Glaube, Vernunft und Kirche

Positionspapier der PTH St. Pölten im synodalen Prozess 2022 

Wer Theologie betreibt, ist zuallererst ein Empfangender, ein „Hörer des Wortes“ (Karl Rahner). Insofern sich Gott selbst ausspricht in seinem ewigen Wort und der ewige Vater und der von ihm gezeugte Sohn, der Logos, in ihrer Liebe zueinander den Geist hauchen, vollzieht sich die innertrinitarische Kommunikation als Urbild jeglichen Austauschs und jeder Begegnung personaler Geschöpfe auf Gott hin und von Gott her sowie in ihrem Zueinander. Theologie partizipiert an dieser Kommunikation auf spezifische Weise im Kontext von Glaube, Vernunft und Kirche.<--break->

- Glaube 

Katholische Theologie ist im Glauben an den dreifaltigen Gott verortet, der sich durch Jesus Christus im Heiligen Geist bezeugt und offenbart. Die Heilige Schrift und die apostolische Überlieferung sind dem Glaubensbewusstsein der Kirche anvertraut, deren Lehramt unter dem Beistand des Heiligen Geistes das Evangelium darlegt.

Im Du-Glauben vertrauen wir uns Gott an; im Dass-Glauben bejahen wir die Wahrheit all dessen, was er uns in seiner Liebe im kommunikativen Geschehen seiner Offenbarung auch inhaltlich von sich selbst und in Bezug auf das Werk seines Heils erschließt, wodurch Jesus Christus „dem Menschen den Menschen selbst voll kund“ macht und ihm „seine höchste Berufung“ erschließt. [1]

Die Kirche in ihrer Gesamtheit ist zuerst „hörende“ Kirche und kann nur auf dieser Grundlage auch „lehren“. Vom Lehramt der Hirten ist das theologische Forschen und Lehren zu unterscheiden. In gelebter Synodalität erweist sich der theologische und interdisziplinäre Austausch als fruchtbar und trägt bei zum Verständnis des Glaubens („intellectus fidei“), aber auch zur Orientierung in einem christlich geprägten Leben.

- Vernunft

Da Gott den Menschen als Mann und Frau nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen hat (vgl. Gen 1,27), schenkt er uns in seiner Offenbarung Anteil an seiner Liebe und seinem Erkennen. Wer auf Gottes Wort baut und im Glauben Ja sagt zu Gott, öffnet sich zugleich einem tieferen Verständnis all dessen, was Gott uns mitteilt. Der Glaube sucht das Verstehen („fides quaerens intellectum“), und so stehen Vernunft und Glauben nicht im Gegensatz zueinander, sondern verweisen je in ihrer Weise komplementär auf das andere ihrer selbst. Die Theologie als Glaubenswissenschaft leistet ihren Beitrag zu einem Logos-konformen Verständnis der Glaubensinhalte.

Die theologische Forschung besitzt einen Eigenwert, da sie um der tieferen Erkenntnis der von Gott geoffenbarten Wahrheit als solcher willen erfolgt. Weil der Glaube ein Akt des ganzen Menschen ist und daher auch gelebt werden will, soll Theologie die getauften Christinnen und Christen dazu befähigen, ihrem Weltauftrag besser nachzukommen. Die Freiheit, die uns Jesus Christus kraft seines Todes und seiner Auferstehung in der Taufe geschenkt hat, ist negativ als Freiheit von der Sünde und allen Fesseln und Strukturen des Unrechts aufzufassen und positiv als Freiheit für die Liebe zu Gott und zum Nächsten sowie zu sich selbst mit Einschluss der Bejahung der Natur als Schöpfung Gottes. Die Theologie entfaltet daher auch eine sinnstiftende und orientierende Funktion für den praktischen Bereich des menschlichen Zusammenlebens.

Da sich die Theologie in ihrem Anspruch, ihrer Zielsetzung und ihrer Methodik auch rational auszuweisen vermag, ist sie im Gesamt der Wissenschaften verortet und von daher in guter Tradition auch auf der Ebene der Universitäten und Hochschulen verankert und präsent. Ihre kommunikative Kompetenz stellt sie im Dialog mit Gläubigen und Nichtglaubenden unter Beweis und dient so den Gewissen der Menschen, welche die Wahrheit in Bezug auf Gott und ihre Verantwortung in der Welt erkennen wollen. Gesellschaftlich vertieft die Theologie in ihrem Bezug auf Werte, die der Mensch nur anerkennen, sich aber nicht selbst geben oder gar produzieren kann, jene Voraussetzungen, auf die Staat und Gesellschaft auch dann verwiesen sind, wenn sie sich selbst als säkular definieren. [2]

- Kirche

Der kirchliche Bezug ist der Theologie inhärent und entspricht ihrem Wesen. Sie kann ihre Grundfunktion der Vertiefung und Förderung des „intellectus fidei“ nur als qualifizierte Teilnehmerin des Dialogs über den Glauben im Gesamt der Kirche wahrnehmen. [3] 

Die ekklesialen Grundvollzüge sind auf theologische Begleitung und Reflexion verwiesen.

Die Kirchlichkeit der Theologie ermöglicht einen gemeinsamen Standpunkt und garantiert Identität, die nicht zu einer selbstzufriedenen und ghettohaften Verschlossenheit führen darf, sondern in Offenheit für einen Austausch mit allen gesellschaftlichen Gruppen sowie den dazu bereiten Personen verwirklicht wird.

Dies zeigt sich in besonderer Weise in der Ausbildung qualifizierter Religionspädagoginnen und Religionspädagogen. [4]

 Sie sollen befähigt werden, das Evangelium Jesu Christi zu verkünden, mit jungen Menschen dem Leben und seinen großen Fragen auf der Spur zu sein und sie ein Stück ihres Weges zu begleiten; sie zu christlichem Glauben, Hoffen und Lieben zu ermutigen. Sie sollen auch befähigt werden, zum Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung zu motivieren und Schülerinnen und Schüler einzuladen, sich in Kirche und Gesellschaft zu engagieren.

Die angehenden Religionspädagoginnen und Religionspädagogen erwerben die Fähigkeit, Kompetenzen in Bezug auf die eigene Religion und katholische Konfession sowie andere Überzeugungen zu vermitteln und die Schülerinnen und Schüler dialogfähig zu machen. Die Auseinandersetzung mit der Zugehörigkeit zur katholischen Glaubensgemeinschaft im Religionsunterricht soll schließlich einen Beitrag zur Bildung von Identität leisten können, die eine unvoreingenommene Öffnung gegenüber dem anderen erleichtert. Eine zeitgemäße und zukunftsfähige Religionspädagogik in einer pluralistischen Welt befähigt sowohl zu Toleranz als auch zu sachlich begründetem Einspruch. Im Sinne der Ökumene kann ein Erfahrungsaustausch bezüglich Synodalität mit Gläubigen der verschiedenen christlichen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften bereichernd sein.

- Fazit

Nur in der Komplementarität von Glaube, Vernunft und Kirche wird die Theologie an den Universitäten und Hochschulen weiterhin ihren Dienst für die Kirche und die Gesellschaft vollziehen können. Auf keinen dieser Faktoren darf in Zukunft verzichtet werden [5] selbst dann, wenn Standorte theologischer Ausbildungsstätten so wie die Philosophisch-Theologische Hochschule der Diözese St. Pölten vorläufig stillgelegt [6] oder gar geschlossen werden.

Wir sind überzeugt: Theologie hat Zukunft!


Für die PTH St. Pölten:
Rektor Prof. Dr. theol. habil. Josef Spindelböck
Prorektorin Prof. Dr. theol. Irene Hinterndorfer

St. Pölten, am 19. Mai 2022




[1] Vgl. 2. Vatikanisches Konzil, Gaudium et spes, Nr. 22.

[2] Vgl. Ernst-Wolfgang Böckenförde, Die Entstehung des Staates als Vorgang der Säkularisation, in: Recht, Staat, Freiheit. Studien zur Rechtsphilosophie, Staatstheorie und Verfassungsgeschichte, Frankfurt 1991, 112: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“

[3] „Theologie hat eine kritische Funktion, des Verständnisses des Glaubens, aber ihre Reflexion geht von der lebendigen Erfahrung und vom sensus fidei fidelium aus. Nur so entfaltet sich das theologische Verständnis des Glaubens für seinen notwendigen Dienst in der Kirche.“ („La teologia ha una funzione critica, di intelligenza della fede, ma la sua riflessione parte dall’esperienza viva e dal sensus fidei fidelium. Solo così l’intelligenza teologica della fede svolge il suo necessario servizio alla Chiesa.“) – Franziskus, Ansprache an die Teilnehmer eines internationalen Kongresses für Moraltheologen an der Gregoriana am 13.05.2022, in: L’Osservatore Romano, italienische Ausgabe, 13.05.2022, S.7. Eigene deutsche Übersetzung.

[4] Über viele Jahre ihres Bestehens war es der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Diözese St. Pölten aufgegeben, für die Aus- und Weiterbildung eines qualifizierten Diözesan- und Ordensklerus zu sorgen. In den letzten Jahrzehnten wurde der Laienanteil unter den Studierenden immer größer, und viele Frauen und Männer wurden für den pastoralen Dienst sowie für den Religionsunterricht ausgebildet.

[5] „Bonum ex integra causa, malum a quolibet defectu.“

[6] Vgl. das „Stilllegungsdekret“ des Bischofs von St. Pölten, Dr. Alois Schwarz, vom 20. April 2022 (Zl.O.-577/2019). Mit 1. Oktober 2022 erfolgt „die vollständige Einstellung des ordentlichen Lehr- und Studienbetriebes der Hochschule“. Der Rechtstitel der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Diözese St. Pölten bleibt bestehen.